25.11.2005, 17:18 Uhr
Sport lässt Gehirnzellen sprießen
Exzessiver Sport kann dem Körper mehr schaden als nutzen. Ähnliches scheint für die Effekte körperlicher Betätigung auf das Gehirn zu gelten, hat ein Biologe an der Universität Göteborg entdeckt. Zumindest bei Ratten sprießen deutlich mehr neue Hirnzellen, wenn auf mäßige physische Belastung eine Erholungsphase folgt.
Von dem für Ratten optimalen Trainingsmaß lasse sich jedoch nur schwerlich auf das für Menschen geeignete Maß schließen, erklärt Andrew Naylor. Derzeit werde generell empfohlen, an vier bis fünf Tagen pro Woche für 35 Minuten bei 60 Prozent der maximalen Pulsfrequenz zu trainieren. "Ob dies auch optimal für die geistige Gesundheit ist, lässt sich nicht so einfach sagen."
Naylor hängte einigen seiner Laborratten Laufräder in die Käfige, auf denen sie sich nach Herzenslust verausgaben durften. Neun Tage später wiesen diese Tiere im Hippocampus - einer für Gedächtnisbildung und Lernen wichtigen Gehirnregion - fünfmal mehr Vorläuferzellen als Artgenossen, die keine Laufmöglichkeit gehabt hatten. Vier Wochen später war ein Drittel dieser Zellen noch vorhanden und hatte sich in funktionstüchtige Nervenzellen differenziert. Und tatsächlich lernten die Läufer deutlich schneller als die Kontrolltiere.
Eine dritte Gruppe von Ratten durfte sich sogar 24 Tage lang auf Laufrädern austoben. Mit der Zeit schienen diese Tiere regelrecht laufsüchtig zu werden und steigerten ihr tägliches Pensum von sechs auf bis zu 20 Kilometer, beobachtete Naylor. Auf das Gehirn schien sich dies eher negativ auszuwirken: Im Hippocampus dieser Ratten fanden sich nur halb so viele neue Nervenzellen wie bei den Kontrolltieren. Zwar habe in der nachfolgenden Ruhephase ein größerer Anteil dieser Zellen überlebt, so der Forscher. Dieser Effekt habe die niedrigere Ausgangszahl jedoch lediglich kompensieren können.
Die Erklärung für seine Beobachtungen vermutet Naylor in der Balance zwischen Endorphinen und Corticosteroiden. Erstere werden bei körperlicher Belastung ausgeschüttet und scheinen die Bildung neuer Nervenzellen zu fördern. Sobald die Belastung dem Körper schadet, werden dagegen Stresshormone ausgeschüttet und bremsen die Neubildung von Zellen im Hippocampus. Zu diesem Modell passe die Beobachtung, dass Dauerstress auch bei Menschen den Hippocampus schrumpfen lasse, so der Biologe.
Forschung: Andrew Naylor, Avdelningen för fysiologi, Sahlgrenska akademin, Göteborgs universitet
WWW:
Department of Physiology, Göteborg University
Endorphine
Lassen Antidepressiva Hirnzellen wachsen?
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