16.1.2006, 17:34 Uhr
Koffein senkt Leistungsreserve des Herzens

Vor einer körperlichen Belastung sollte man besser keinen Kaffee trinken. Darauf deuten Versuchsresultate hin, die Züricher Mediziner im "Journal of the American College of Cardiology" vorstellen. Unter Einfluss von Koffein können sich die Herzkranzgefäße demnach weniger gut weiten, um den erhöhten Sauerstoffbedarf des Herzmuskels zu decken.

"Wir haben nun solide Belege dafür, dass Koffein zumindest hinsichtlich der Durchblutung des Herzmuskels kein nützliches Stimulans ist", schreibt die Gruppe um Philipp Kaufmann von der Universität Zürich. Die neuen Resultate könnten vor allem für Patienten mit koronarer Herzkrankheit von Bedeutung sein, bei denen der maximale Blutfluss in den Herzkranzgefäßen ohnehin reduziert sei.

Kaufmann und Kollegen untersuchten 18 junge Erwachsene, die in den 36 Stunden vor den Versuchen keinen Kaffee getrunken hatten. Per Positronen-Emissionstomographie (PET) maßen die Mediziner den Blutfluss in den Herzkranzgefäßen der Teilnehmer, bevor und nachdem diese sich an einem Fahrrad-Ergometer verausgabt hatten. Acht Teilnehmer atmeten dabei Luft mit einem Sauerstoffgehalt von lediglich 12,5 Prozent, entsprechend einer Höhe von etwa 4.500 Metern. Auf diese Weise sollten die Verhältnisse bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit nachgeahmt werden.

Hatten die Teilnehmer kurz vor den Versuchen eine zwei Tassen Kaffee entsprechende Menge Koffein genommen, reagierten ihre Herzkranzgefäße weniger "elastisch" auf die Belastung: Das Verhältnis von Blutfluss unter Belastung zu Blutfluss im Ruhezustand, die koronare Flussreserve, sank unter Koffeineinfluss um 22 Prozent und bei Atmen sauerstoffarmer Luft sogar um 39 Prozent.

Bei Belastung löse der körpereigene Signalstoff Adenosin normalerweise eine Weitung der Arterien aus, so Kaufmann. Vielleicht blockiere das chemisch ähnlich gebaute Koffein diesen Regelmechanismus.


Forschung: Mehdi Namdar, Philipp A. Kaufmann und andere, Abteilung Nuklearkardiologie, Herzkreislaufzentrum, Universitätsspital, und Zentrum für Integrative Humanphysiologie, Universität Zürich

Veröffentlicht in Journal of the American College of Cardiology, Vol. 47, pp 405-10, DOI 10.1016/j.jacc.2005.08.064

WWW:
Herzkreislaufzentrum, Universitätsspital Zürich
Blutkreislauf
Kein Bluthochdruck durch Kaffee

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.