12.1.2006, 14:11 Uhr
Fisch-Evolution per Netz

Werden überfischte Fischbestände unter Schutz gestellt, erholen sie sich mitunter nur sehr langsam. Die Ursache könnte eine Anpassung an die Maschen der Netze sein, lassen die Experimente einer amerikanischen Forschergruppe vermuten. Werden immer nur die größten Fische aus dem Wasser gezogen, entwickelt sich binnen kurzer Zeit eine Population relativ kleinwüchsiger, sich nur langsam fortpflanzender Individuen.

Bislang werde mitunter davon ausgegangen, dass die Befischung das Wachstum der Fische vielmehr fördern würde, da jedem verbliebenen Individuum mehr Ressourcen zur Verfügung ständen, schreiben die Forscher um David Conover von der University of Stony Brooks im Fachblatt "Ecology Letters". Dass sich Physiologie, Verhalten und weitere Eigenheiten unter dem Druck der Netzfischerei verändere, bleibe dabei jedoch unberücksichtigt.

Schon seit geraumer Zeit studieren Conover und seine Kollegen mehrere in Gefangenschaft gehaltene Populationen von Mondährenfischen (Menidia menidia), aus denen sie in jeder Generation jeweils 90 Prozent der Individuen abernten. Werden dabei immer nur die größten Individuen entfernt, wachsen die Tiere schon nach vier Zuchtgenerationen deutlich langsamer als solche aus Gruppen, in denen rein zufällig ausgewählt wird. Die Effekte der genetischen Anpassung reichen jedoch sehr viel weiter, berichten die Forscher.

Die Eier in den klein gehaltenen Populationen enthalten demnach deutlich weniger Dotter, die Larven sind beim Schlüpfen kleiner und überleben nur zu etwa 15 Prozent bis zum zehnten Lebenstag - verglichen mit über 30 Prozent in den Kontrollpopulationen. Andererseits fressen die Tiere selbst bei reichhaltigem Angebot weniger Futter und setzen dieses schlechter in Körpermasse um. Und nicht zuletzt kommen sie nach einer Störung deutlich zögerlicher aus einem Versteck hervor, um erneut zu fressen.

Die Resultate zeigen nach Ansicht Conovers und seiner Kollegen, dass die Fischerei "einen Wechsel zu einer darwinistischen Betrachtungsweise" vollziehen muss. Nur so ließen sich die neuen Resultate und damit auch die langsame Erholung verstehen.


Forschung: Matthew R. Walsh, Stephan B. Munch, Susumu Chiba und David O. Conover, Marine Sciences Research Center, Stony Brook University, Stony Brook, New York, und Department of Biology, University of California, Riverside

Vorab-Veröffentlichung Ecology Letters, DOI 10.1111/j.1461-0248.2005.00858.x

WWW:
Conover Fish Ecology Laboratory
Menidia menidia
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