20.1.2006, 12:23 Uhr
Ungewöhnliche Wärme in der Arktis

Während in Osteuropa extreme Kälte herrscht, vermelden Bremerhavener Forscher ungewöhnlich milde Temperaturen von Spitzbergen. Die in diesem Januar gemessenen Werte haben die bisherigen Tagesrekorde bereits an zehn Tagen um bis zu drei Grad Celsius überschritten. Das Monatsmittel liegt bislang fast zehn Grad über dem Durchschnitt.

Normalerweise seien auf Spitzbergen im Januar Temperaturen um minus zwölf Grad Celsius die Regel, so das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in einer Mitteilung. Seit dem 4. Januar lägen die Werte jedoch über dem Gefrierpunkt. Am bisher wärmsten Tag, dem 16. Januar, sei eine Höchsttemperatur von plus 6,5 Grad Celsius gemessen worden - zwei Grad über dem bisherigen Januar-Höchstwert.

Foto: Schroffe Berge, tiefhängende Wolken, Meer

Foto: J. Kube, Alfred-Wegener-Institut

"Schon seit vielen Jahren sagen die Klimamodelle eine Erwärmung besonders in der Arktis voraus", erläutert der AWI-Forscher Peter Lemke. Ein entsprechender Trend werde dort seit über zwanzig Jahren beobachtet. Zwar werde es künftig im Rahmen der normalen Wetterschwankungen auch wieder zu kalten Wintern kommen. "Bei Warmwetterlagen wie in diesem Januar werden wir allerdings immer wieder mit neuen Höchsttemperaturen rechnen müssen."

Die milden Temperaturen im Verein mit ungewöhnlich starken Niederschlägen wirken sich bereits auf den Alltag in der Koldewey-Station des AWI in Ny-Ålesund aus. Nur etwa 1.200 Kilometer vom Nordpol entfernt, handelt es sich um die nördlichste Siedlung der Welt. Zwischen Restschnee und Permafrostboden entstehen nun nicht sichtbare und damit potenziell gefährliche Schmelzwasserabflüsse. "Wir können den Ort praktisch nicht mehr verlassen, um an unseren Messgeräten außerhalb zu arbeiten", so der Ingenieur Kai Marholdt.


Forschung: Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven; Institut Polaire Français Paul Emile Victor, Plouzané

WWW:
AWI Bremerhaven
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Climate Change in the Arctic
Mehr Kohlenstoff in arktischen Böden

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