18.1.2006, 15:58 Uhr
China: Weniger Sonnenlicht trotz weniger Wolken

Weniger Wolken bedeuten nicht automatisch mehr Sonnenschein. Amerikanische Forscher haben ermittelt, dass China in den letzten Jahrzehnten zunehmend wolkenlose Tage erfahren hat, die Sonneneinstrahlung jedoch gesunken ist. Wahrscheinliche Ursache sei die Luftverschmutzung, schreibt die Gruppe im Fachblatt "Geophysical Research Letters".

Die Resultate lieferten "starke Hinweise darauf, dass die steigende Konzentration von Aerosolen - hauptsächlich aus Ruß und Schwefel bestehenden Schwebeteilchen in der Luft - in der Vergangenheit einen nebelartigen Schleier produziert und so die Sonneneinstrahlung reduziert hat", erklärt Ruby Leung vom Pacific Northwest National Laboratory in Richland, Washington.

Diagramme: Veränderung der Häufigkeit wolkenfreier Tage und der Sonneneinstrahlung an chinesischen Wetterstationen

Veränderung der Häufigkeit wolkenfreier Tage und der Sonneneinstrahlung. Grafik: DOE/Pacific Northwest National Laboratory

Leung und Kollegen analysierten Beobachtungsdaten von mehr als 500 Wetterstationen in allen Regionen Chinas. Demnach stieg die Zahl der wolkenfreien Tage im Zeitraum 1954 bis 2001 pro Jahrzehnt um 0,6 Prozent, die Zahl der Tage mit bedecktem Himmel sank dagegen um 0,78 Prozent pro Jahrzehnt. Gleichzeitig sank auch die Sonneneinstrahlung pro Jahrzehnt um 3,1 Watt pro Quadratmeter. Tatsächlich habe man in einigen Landesteilen einen Rückgang der mittleren Tageshöchsttemperaturen registriert, so die Forscherin.

In China würden derzeit neunmal mehr fossile Energieträger verbrannt als noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts, so Leung. Und angesichts des rasanten wirtschaftlichen Wachstums des Landes werde der resultierende Dunstschleier wohl eher dichter werden.

"Dieser Dunst hält nicht nur die Sonnenstrahlung ab", so Leungs Kollege Yun Qiang, "er ist auch berüchtigt für seine Rolle bei saurem Regen und Atemwegserkrankungen." Andere Forscher hatten zudem vermutet, eine verringerte Sonneneinstrahlung über Landflächen könnte die vorherrschenden Winde und damit beispielsweise den Monsunregen beeinflussen.


Forschung: Yun Qian und L. Ruby Leung, Atmospheric Sciences Group, Pacific Northwest National Laboratory, Richland, Washington; und andere

Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 33, L01812, DOI 10.1029/2005GL024586

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