20.12.2005, 18:14 Uhr
Nächtliche Atemaussetzer beeinflussen Blutfette

Nächtliche Atemaussetzer beeinflussen nicht nur Leistungsfähigkeit, Blutdruck und Herzrhythmus. Bochumer Mediziner haben ermittelt, dass bei den Betroffenen auch der Spiegel des "guten" Cholesterins reduziert ist. Durch die Behandlung der Schlafapnoe normalisieren sich die Blutfettwerte jedoch wieder, berichten die Forscher im "European Respiratory Journal".

"Von besonderer Bedeutung ist, dass diese Verbindung unabhängig von Fettleibigkeit ist, einem bei solchen Patienten häufigen Faktor", betont Jan Börgel vom St.-Josef-Hospital der Ruhr-Universität Bochum. Der Kardiologe und seine Kollegen hatten im Rahmen ihrer Studie 470 Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe untersucht. Dabei kommt es im Schlaf immer wieder zu einem Verschluss der Atemwege, indem der weiche Gaumen erschlafft.

Mit der Häufigkeit dieser Atemstillstände variierten auch die Blutfettwerte, fanden die Mediziner: Bei Patienten mit 11 bis 21 Atemstillständen pro Stunde lag die durchschnittliche Konzentration des HDL-Cholesterins im Blut bei 50 Milligramm pro Deziliter, bei jenen mit 42 bis 102 Apnoephasen pro Stunde waren es 40 Milligramm pro Deziliter. Dieser Zusammenhang war unabhängig von weiteren Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Leibesfülle.

Der Spiegel des HDL-Cholesterins normalisierte sich wieder, wenn das nächtliche Erschlaffen der Atemwege durch eine Überdruckbeatmung verhindert wurde. Bei 127 derart behandelten Patienten stiegen die Werte binnen sechs Monaten von durchschnittlich 47 auf 50 Milligramm pro Deziliter. Entgegengesetzte Tendenzen beobachteten Börgel und Kollegen für Triglyzerid- und LDL-Cholesterinspiegel. Eine mögliche Ursache sehen die Mediziner in einer veränderten Aktivität des autonomen Nervensystems. Denkbar sei aber auch, dass die behandelten Patienten tagsüber weniger schlapp und damit körperlich aktiver seien.


Forschung: Jan Börgel und Andreas Mügge, Medizinische Klinik II, Kardiologie und Angiologie, St.-Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum; und andere

Veröffentlichung European Respiratory Journal, Vol. 27(1), Januar 2006

WWW:
Kardiologische Kliniken, Uni Bochum
Schlafapnoe und Schnarchen
Cholesterin und Herzinfarkt

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