29.12.2005, 20:41 Uhr
Heuschrecken haben afrikanische Wurzeln
Die Heuschrecken, die regelmäßig in Schwärmen über den afrikanischen Kontinent ziehen, sind nicht aus anderen Teilen der Welt eingewandert. Das Gegenteil ist der Fall, sagen amerikanische und kanadische Forscher mit Berufung auf Gen-Analysen: Die Tiere lebten demnach seit Millionen Jahren in Afrika und breiteten sich von dort über die ganze Welt aus.
Sean Mullen von der University of Maryland und Nathan Lovejoy von der University of Toronto verglichen das Mitochondrien-Erbgut von 20 verschiedenen Heuschrecken-Arten der Gattung Schistocerca. Von dieser sind insgesamt über 50 Arten bekannt. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher jetzt in einer Online-Veröffentlichung in den "Proceedings of the Royal Society of London" vor. Demnach sollen die ersten Heuschrecken frühestens vor drei bis fünf Millionen Jahren den afrikanischen Kontinent verlassen haben.
Mullen und Lovejoy widersprechen der These ihres US-Kollegen Hojun Song, der ebenfalls in den "Proceedings" im Jahr 2004 den nordamerikanischen Kontinent als ursprüngliche Heimat der gefräßigen Insekten ausgemacht haben wollte. Für Songs These schien zu sprechen, dass in Nordamerika die meisten Arten leben, während Afrika von nur einer Art heimgesucht wird.
Unstrittig ist, dass Heuschreckenschwärme in großen Höhen über Tausende von Kilometern wandern können. Im Jahr 1988 flog beispielsweise ein Schwarm von Afrika in die Karibik; die Insekten legten über 4500 Kilometer zurück.
"Heuschrecken sind eher einzelgängerische Lebewesen", sagt Mullen, "erst in großen Populationen werden sie gesellig." In der Masse verändern sich Aussehen und Verhalten: Die ursprünglich grünen Insekten werden gelblich bis bräunlich, die Gruppe verdichtet sich auf bis zu 80 Millionen Exemplare je Quadratkilometer. Große Schwärme können sich über Hundert Kilometer erstrecken. Warum dieses Phänomen fast ausschließlich bei der afrikanischen Art auftritt, wissen die Forscher noch nicht.
Forschung: Sean Mullen, University of Maryland; Nathan Lovejoy, University of Toronto; in "Proceedings of the Royal Society of London"
Die Studie von Mullen und Lovejoy in "Proceedings: Biological Sciences"; FirstCite Early Online Publishing, 21.12.2005, DOI: 10.1098/rspb.2005.3381 (Abstract)
Die Studie von Hojun Song in "Proceedings: Biological Sciences"; Volume 271, Number 1548, 7.8.2004 (Volltext verfügbar)
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