22.12.2005, 16:19 Uhr
Eisverlust Grönlands gemessen
Der Eispanzer Grönlands ist in den letzten vier Jahren erheblich geschrumpft. Zu diesem Schluss kommt ein amerikanisches Forscherduo nach der ersten direkten Messung der grönländischen Massenbilanz mit Hilfe eines Satellitengespanns. Von 2002 bis 2005 hat die Insel demnach pro Jahr durchschnittlich 162 Kubikkilometer Eis verloren.
Das Volumen des grönländischen Eisschilds wird auf knapp drei Millionen Kubikkilometer geschätzt. "Grönland beherbergt das größte Süßwasserreservoir der nördlichen Hemisphäre", so Isabella Velicogna von der University of Colorado in Boulder. "Jede größere Veränderung dieser Eismasse beeinflusst daher den Meeresspiegel, die Wasserzirkulation in den Ozeanen und das Klima." Die Satelliten des GRACE-Programms ermöglichten es erstmals, solche Veränderungen im Monatsrhythmus zu erfassen.
Grafik: NASA/JPL/University of Colorado
Die zwei GRACE-Satelliten umkreisen die Erde auf einer polnahen Umlaufbahn und registrieren dabei extrem genau, wie sich ihr Abstand zueinander durch Variationen im irdischen Schwerefeld verändert. Gerät etwa der vorausfliegende Satellit in einen Bereich erhöhter Schwerkraft, nimmt er an Fahrt auf und der Abstand vergrößert sich. Fällt auch der nachfolgende Satellit in den "Schwerkrafttrog", während der erste bereits aus diesem herausklettert, verringert sich der Abstand wieder.
Velicogna und ihr Kollege John Wahr analysierten nun dieses Hin und Her, um auf Massenveränderungen im Bereich Grönlands zu schließen. Wie das Duo kürzlich im Fachblatt "Geophysical Research Letters" berichtete, hat der Eisschild der Insel im Zeitraum 2002 bis 2004 pro Jahr durchschnittlich 82 Kubikkilometer Volumen eingebüßt. Bei Einbeziehung neuerer Daten berechneten die Forscher nun sogar eine fast doppelt so hohe Verlustrate. Das Schrumpfen des Eispanzers hat etwa 0,4 Millimeter pro Jahr zum Anstieg des weltweiten Meeresspiegels beigetragen, schätzen sie.
Aufnahme: NASA Johnson Space Center - Earth Sciences and Image Analysis
Forschung: Isabella Velicogna und John Wahr, Department of Physics und Cooperative Institute for Research in Environmental Sciences, University of Colorado, Boulder
Veröffentlicht in Geophysical Research Letters, Vol. 32, L18505, DOI 10.1029/2005GL023955
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