1.12.2005, 12:41 Uhr
Forscher: Pubertät zunehmend "verfrüht"
Eltern müssen heutzutage früher denn je die Aufklärung ihres Nachwuchses in Angriff nehmen. Darauf weist ein britisch-neuseeländisches Forscherduo im Fachblatt "Trends in Endocrinology and Metabolism" hin. Dank guter Ernährung und medizinischer Versorgung reiften heutige Kinder in körperlicher Hinsicht schneller heran als in geistiger.
"Erstmals in unserer 200.000 Jahre währenden Geschichte als Spezies werden Menschen geschlechtsreif, bevor sie auch psychologisch gerüstet sind, in der Gesellschaft als Erwachsene zu fungieren", erklärt Mark Hanson von der University of Southampton. "All unsere sozialen Systeme arbeiten auf der Grundannahme, dass beide Typen von Reife gleichzeitig eintreten. Dies ist jedoch nicht länger der Fall und wird es auch nie wieder sein."
Hanson und sein Kollege Peter Gluckman von der University of Auckland fassten die wissenschaftliche Literatur zum Thema Pubertät zusammen. In der Altsteinzeit dürften Frauen demnach zwischen dem 7. und 13. Lebensjahr ihre erste Regelblutung bekommen haben. Eine ähnliche Spanne werde auch heute beobachtet, so die Forscher. Für das Leben in kleinen Gruppen von Jägern und Sammlern dürfte die geistige Reife in diesem Alter allerdings ausreichend gewesen sein.
Nach dem Übergang zur sesshaften Lebensweise führten Krankheiten und schlechte Ernährung zu einer Verzögerung der Menarche, so die Forscher. Noch im letzten Jahrhundert hätten Mädchen erst im Alter von 16 bis 18 Jahren ihre erste Regelblutung bekommen. Die Fortschritte bei Hygiene, Ernährung und Medizin hätten die körperliche Entwicklung wieder beschleunigt, während gleichzeitig die Gesellschaft immer komplexer geworden sei. Hanson und Gluckman warnen davor, das "verfrühte" Eintreten der Pubertät als medizinisches Problem anzusehen. Vielmehr müsse sich die Gesellschat entsprechend anpassen.
Forschung: Peter D. Gluckman, Liggins Institute und National Research Centre for Growth and Development, University of Auckland, Auckland; Mark A. Hanson, Centre for Developmental Origins of Health and Disease, University of Southampton, Southampton
Vorab-Veröffentlichung Trends in Endocrinology and Metabolism, DOI 10.1016/j.tem.2005.11.006
WWW:
Centre for Developmental Origins of Health and Disease, University of Southampton
The Liggins Institute, University of Auckland
Wenn die Eltern schwierig werden
Pubertät und Adolezenz
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