6.12.2005, 11:18 Uhr
Mehr Kohlenstoff in arktischen Böden
In den kältesten Regionen der Erde enthalten die Böden sehr viel mehr organisches Material als bislang vermutet. Darauf deuten Untersuchungen eines amerikanischen Forscherduos hin. Indem steigende Temperaturen die Zersetzung des Materials fördern, könnte die Rückwirkung auf das Klima daher unerwartet stark ausfallen.
"Wir wissen bereits, dass sich die Arktis erwärmt und dass die Tiefe des Permafrosts abnimmt", erläutert Jennifer Horwath von der University of Washington, Seattle. "Als Folge wird mehr Kohlenstoff aktiviert und kann zu Kohlendioxid abgebaut werden." Horwath und ihr Betreuer Ronald Sletten präsentieren ihre Resultate jetzt auf der Tagung der American Geophysical Union in San Francisco.
Drei Jahre lang reisten die Forscher im Sommer in den äußersten Nordwesten Grönlands, um Proben unterschiedlichster Böden zu nehmen. Dabei gruben sie bis zu einen Meter tief, um die langsame Vermengung der Bodenschichten durch Gefrieren und Tauen zu berücksichtigen. Auf Basis ihrer Messdaten schätzen die Forscher, dass polare Halbwüsten auf einer Fläche von rund 1,6 Millionen Quadratkilometern rund 8,7 Milliarden Tonnen organischen Kohlenstoff enthalten. Polare Eiswüsten dürften es bei einer Fläche von 1,4 Millionen Quadratkilometern auf 2,1 Milliarden Tonnen bringen.
Frühere Studien, bei denen nur einen Viertel Meter tief gegraben worden war, hätten 9- bzw. 125-mal niedrigere Werte ergeben, erklärt Horwath. Zwar sei derzeit noch unklar, wie sich die Erwärmung insgesamt auf den Kohlenstoffhaushalt der Hocharktis auswirken werde. Umso wichtiger seien die neuen Resultate für die Modellierung des Klimas: "Die Effekte des Klimawandels sind schwer vorherzusagen", so die Forscherin, "und ganz besonders schwierig ist es, wenn nicht einmal die gegenwärtigen Verhältnisse genau bekannt sind."
Bild: Horwath und Sletten bei der Arbeit. Foto: Sudha Brown/University of Washington
Forschung: Jennifer L. Horwath und Ronald S. Sletten, Department of Earth and Space Sciences, University of Washington, Seattle, Washington
Präsentation auf dem 2005 Fall Meeting of the American Geophysical Union, #C21C-1136
WWW:
Quaternary Research Center, University of Washington
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