29.11.2005, 15:42 Uhr
Wachsende Ungleichheit der Familiengrößen

Während in Deutschland und anderen Ländern die Geburtenrate sinkt, steigt die Geburtenkonzentration. Das haben Rostocker Bevölkerungsforscher ermittelt. Immer weniger Frauen bringen einen immer größeren Anteil der Kinder zur Welt. Gerade Frauen mit hohem Bildungsniveau scheinen sich klar zwischen Beruf und Familie zu entscheiden.

Dieser Trend habe Auswirkungen auf die Sozialisation der Kinder und auf wohlfahrtsstaatliche Aspekte, so Martin Spielauer und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung. Typischerweise hätten die Bezieher höherer Einkommen nicht die meisten Kinder. Daher könne die zunehmende Geburtenkonzentration zur Ungleichheit der Pro-Kopf-Einkommen beitragen. Gleichzeitig erhöhe sie den künftigen Bedarf an Pflegeeinrichtungen für kinderlose Senioren.

Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts habe man eine entgegengesetzte Entwicklung beobachtet, schreiben Spielauer und Kollegen im Magazin "Demografische Forschung": Der Anteil der Frauen mit Kindern sei bis in die Nachkriegszeit gestiegen und die Familiengrößen hätten sich angeglichen. Die Entwicklung der jüngeren Zeit untersuchten die Forscher nun am Beispiel einiger europäischer Staaten sowie der USA. Spätestens mit den Geburtsjahrgängen 1950-55 setzte in Westeuropa und den Vereinigten Staaten eine deutliche Trendwende ein.

Besonders ungleich verteilt sind die Familiengrößen demnach in Deutschland: In Westdeutschland brachten 26 Prozent der im Jahr 1960 geborenen Frauen die Hälfte aller von Frauen dieses Jahrgangs geborenen Kinder zur Welt. Ähnlich hoch ist die Geburtenkonzentration in Österreich, wo 28 Prozent der Frauen die Hälfte aller Kinder bekommen. In diesem Fall mache sich neben den historisch niedrigen Geburtenzahlen in Wien und anderen Städten die steigende Kinderlosigkeit bemerkbar, so die Forscher.


Forschung: Martin Spielauer, Vladimir Shkonikov und James Vaupel, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Veröffentlichung u.a. als MPIDR Working Paper WP-2004-027 und in Demografische Forschung, Vol. 2(4), Dezember 2005

WWW:
MPI für demografische Forschung
Statistisches Bundesamt
- Haushalte nach Haushaltsgrößen

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