2.12.2005, 19:31 Uhr
Warum Hans besser nicht in die Luft guckt

Wer in schwierigem Terrain unterwegs ist, muss gut aufpassen, wohin er tritt. Und das nicht nur, um sicheren Halt zu erspähen, sind englische Neurowissenschaftler überzeugt. Ihren Versuchen zufolge sind menschliche Schritte ohne optische Kontrolle derart ungenau, dass der Fuß häufig nicht an der beabsichtigten Stelle aufsetzt.

Frühere Studien hätten dagegen vermuten lassen, Weg und Aufsetzpunkt des Fußes ständen fest, sobald er einmal den Boden verlassen habe, erläutert Raymond Reynolds vom Institute of Neurology am University College London. Reynolds und sein Kollege Brian Day präsentieren ihre Resultate im "Journal of Physiology".

Die beiden Neurowissenschaftler baten ihre Versuchsteilnehmer, ihren Fuß auf einen bestimmten Punkt am Boden zu setzen. In 50 Prozent der Anläufe versperrten sie ihnen schlagartig die Sicht, sobald der Fuß keinen Bodenkontakt mehr hatte. Prompt stieg die Streubreite der Schritte und die Trefferquote ging merklich zurück. Besonders stark war dieser Effekt bei langsamen Schritten.

Offenbar muss der Schritt noch in der Schwungphase unter optischer Kontrolle korrigiert werden, schließen Reynolds und Day. Ihren Beobachtungen zufolge greift dieser Korrekturmechanismus relativ spät ein - nur wenige Zentimeter vor dem Zielpunkt. Dennoch macht er letztlich den Unterschied aus zwischen einem unversehrten und einem verstauchten Knöchel.


Forschung: Raymond F. Reynolds und Brian L. Day, Sobell Department of Motor Neuroscience and Movement Disorders, Institute of Neurology, University College London

Veröffentlicht in Journal of Physiology, Vol. 569, pp 677-84, DOI 10.1113/jphysiol.2005.095869

WWW:
Institute of Neurology, UCL
Anatomy of a Walk

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