28.11.2005, 16:19 Uhr
Industrie-Blei in der Arktis
Zwar wird in vielen Industriestaaten kein verbleites Benzin mehr getankt. Dennoch geht in der Arktis Blei menschlichen Ursprungs nieder. Entsprechende Resultate präsentieren deutsche und kanadische Forscher jetzt im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Über 95 Prozent des Bleis in dem von ihnen studierten Gletscher sind demnach industriellen Ursprungs.
Die Gruppe um Jiancheng Zheng und Michael Krachler vom Geological Survey of Canada, Ottawa, und von der Universität Heidelberg bargen ihr Probenmaterial von Devon Island - einer auf 75 Grad nördlicher Breite und damit weit jenseits des Polarkreises gelegenen kanadischen Insel. Die Analyse in ihrem Heidelberger Speziallabor ergab, dass der Schnee der letzten zehn Jahre im Schnitt 45 Pikogramm Blei pro Gramm enthielt.
Der erstmals bestimmte Gehalt an Scandium betrug dagegen nur 0,43 Pikogramm pro Gramm. Das Leichtmetall findet keinerlei industrielle Verwendung, kommt in Bodenstaubpartikeln jedoch in ähnlicher Masse vor wie Blei. Aus ihren Messungen schließen die Forscher daher, dass 95 bis 99 Prozent des gefundenen Bleis nicht auf natürliche Quellen zurückgehen, sondern aus industriellen Emissionen stammen. Das Verhältnis unterschiedlicher Blei-Isotope im Schnee bestätigte diesen Schluss.
Die Hauptmasse dieses Bleis scheint in den Wintermonaten abgelagert zu werden, wenn Luftmassen aus Nordeuropa und Nordasien über Devon Island ziehen, fanden Zheng, Krachler und Kollegen. Zusätzlich zu jungen Schneeschichten untersuchten sie einen Eisbohrkern aus 65 Metern Tiefe, entsprechend dem Jahr 1842. Den Messungen zufolge bestand schon weit vor der Verwendung verbleiten Benzins eine umfassende Verschmutzung der Atmosphäre mit Blei.
Forschung: William Shotyk, Jiancheng Zheng und Michael Krachler, Institut für Umwelt-Geochemie, Universität Heidelberg; Christian Zdanowicz, Roy Koerner und David Fisher, Geological Survey of Canada, Ottawa, Ontario
Veröffentlicht in Geophysical Research Letters, Vol. 32, L21814, DOI 10.1029/2005GL023860
WWW:
Institut für Umwelt-Geochemie, Uni Heidelberg
Geological Survey of Canada
Blei
HCH: Endstation Kälte für Chlorchemikalie
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