7.12.2005, 12:09 Uhr
Aufforstung könnte Erde erwärmen
Wer den Treibhauseffekt durch massive Aufforstung bremsen will, bewirkt damit unter Umständen das genaue Gegenteil. Darauf deuten neue Modellrechnungen einer amerikanischen Forschergruppe hin. Zumindest in mittleren Breiten, etwa in den Vereinigten Staaten und Europa, wird der "kühlende" Effekt der CO2-Speicherung demnach durch die Absorption von Sonnenlicht mehr als kompensiert.
Folge wäre ein deutlicher Anstieg der Lufttemperatur am Erdboden, berichten Seran Gibbard vom kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory und ihre Kollegen auf der Tagung der American Geophysical Union in San Francisco. Würden beispielsweise zwischen 30 und 50 Grad nördlicher Breite massiv Wälder angepflanzt, könnte die Temperatur im globalen Mittel um 0,4 Grad Celsius steigen, regional sogar um über 4 Grad Celsius.
Szenario "Grüngürtel": Modellierter Temperaturanstieg bei massiver Aufforstung in mittleren Breiten. Grafik: Gibbard et al./LLNL/Carnegie Institution
Wälder fungieren vorübergehend als Senke für das Treibhausgas Kohlendioxid, solange in ihnen noch kein Gleichgewicht zwischen nachwachsenden und absterbenden Bäumen besteht. In ihren Modellen berücksichtigten Gibbard und Kollegen allerdings noch zwei weitere Effekte: Einerseits verdunsten Wälder große Mengen von Wasser und kühlen so ihre Umgebung. Andererseits wird ein Teil des vom dunklen Laub absorbierten Sonnenlichts in Wärme umgewandelt.
Je nach geographischer Breite kommen diese Effekte unterschiedlich stark zum Tragen, fand die Gruppe. In Übereinstimmung mit früheren Studien ergaben ihre Simulationen, dass bei Wäldern in hohen Breiten der Heizeffekt überwiegt, in tropischen Gefilden dagegen die Verdunstungskühlung. In mittleren Breiten könnte sich zunächst - während die Wälder noch ein Netto-Wachstum zeigen - über die CO2-Aufnahme tatsächlich ein Kühleffekt einstellen. Spätestens nach 50 Jahren überwiegt jedoch auch hier der Heizeffekt.
Politiker und Interessenvertreter haben wiederholt darauf gedrängt, die Aufforstung von Wäldern mit Kohlendioxidemissionen zu verrechnen. Nach Ansicht der Forscher ist dies zumindest in mittleren Breiten nicht sinnvoll. "Ich mag Wälder", bekennt Gibbards Kollege Ken Caldeira von der Carnegie Institution of Washington. "Was aber den Klimawandel betrifft, sollten wir uns auf Maßnahmen konzentrieren, die wirklich etwas bewirken können, etwa die Erhöhung die Energieeffizienz und die Erschließung neuer, sauberer Energiequellen."
Szenario "Waldwelt": Modellierter Temperaturanstieg bei weltweiter massiver Aufforstung. Grafik: Gibbard et al./LLNL/Carnegie Institution
Forschung: Ken Caldeira, Department of Global Ecology, Carnegie Institution of Washington, Stanford; Seran G. Gibbard, Govindasamy Bala, Michael E. Wickett und Thomas J. Phillips, Lawrence Livermore National Laboratory, Livermore, Kalifornien
Präsentation auf dem 2005 Fall Meeting of the American Geophysical Union, San Francisco; #B31D-03
WWW:
Lawrence Livermore National Laboratory
Department of Global Ecology, Carnegie Institution
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