8.11.2005, 11:52 Uhr
Pinguine: Gene on the Rocks

Eisberge haben möglicherweise Einfluss auf das Erbgut von Pinguinen. Entsprechende Resultate präsentiert eine internationale Forschergruppe im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Indem die eisigen Riesen die Tiere zum Ausweichen auf andere Brutkolonien zwingen, könnten sie den Genfluss entlang der antarktischen Küste fördern.

Die Forscher um Lara Shepherd und David Lambert von der Massey University in Auckland stützen ihre Vermutung auf gut 6.000 Jahre alte Knochen von Adélie-Pinguinen (Pygoscelis adeliae), die sie auf einer Insel im Rossmeer ausgegraben hatten. Die Untersuchung von neun DNA-Abschnitten bei 15 Individuen und der Vergleich mit 45 heutigen, in der Nähe nistenden Tieren ergab deutliche Unterschiede in der Häufigkeit und in der Länge verschiedener Sequenzvarianten.

Foto: Adélie-Pinguin samt Küken

Adélie-Pinguin samt Küken. Foto: Courtesy David Lambert

Adélie-Pinguine ziehen ihren Nachwuchs in Kolonien mit teils über 100.000 Brutpaaren groß. Geschlechtsreife Tiere suchen dazu typischerweise immer wieder jenen Ort auf, an dem sie selbst geschlüpft sind. Aus diesem Grund sollte sich der Genpool einer Brutkolonie über die Zeit kaum verändern. Umgekehrt sollten sich verschiedene Kolonien mangels Genfluss zwischen ihnen relativ stark voneinander unterscheiden.

Die neuen und auch frühere Resultate deuteten jedoch darauf hin, dass beide Annahmen falsch seien, schließen Shepherd, Lambert und Kollegen. Eine mögliche Ursache stellen ihrer Ansicht nach riesige Eisberge dar, wie sie sich immer wieder vom Schelfeis oder von auf dem Meer schwimmenden Gletscherzungen lösen. Solche Eisberge blockieren den Weg zwischen Meer und Brutkolonien durch ihre schiere Größe und indem sie kleinere Eisschollen aufstauen. Jüngstes Beispiel ist B-15A, ein bis vor kurzem noch über 160 Kilometer langer Riese, der für nahezu vollständige Brutausfälle in Pinguinkolonien auf der Ross-Insel gesorgt hatte.


Forschung: Lara D. Shepherd und David M. Lambert, Allan Wilson Centre for Molecular Ecology and Evolution, Institute of Molecular Biosciences, Massey University, Auckland; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, Vol. 102(46), pp 16717-22, DOI 10.1073/pnas.0502281102

WWW:
Lambert Group
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