4.11.2005, 11:09 Uhr
Bauchfett macht Übergewicht gefährlich
Übergewicht erhöht die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden. Zur Einschätzung dieses zusätzlichen Risikos ist das Verhältnis von Taillen- und Hüftumfang jedoch deutlich besser geeignet als der üblicherweise benutzte Body-Mass-Index. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Medizinergruppe im Fachblatt "The Lancet".
Im Rahmen der Interheart-Studie analysierten Salim Yusuf von der McMaster University im kanadischen Hamilton und seine Kollegen die Daten von über 27.000 Menschen in 52 Ländern. "Unsere Resultate zeigen, dass die Bedeutung der Fettleibigkeit bei Herz-Kreislauferkrankungen in den meisten Regionen der Welt neu bewertet werden muss", fasst Yusuf die Resultate zusammen.
Die Mediziner verglichen körperliche Merkmale und Lebenswandel von 12.461 Personen, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, und von 14.637 nicht betroffenen Personen gleichen Alters bzw. Geschlechts. Es zeigt sich, dass der als Quotient aus Körpermasse und Quadrat der Körpergröße berechnete Body-Mass-Index (BMI) den Einfluss von Übergewicht auf das Infarktrisiko nur mäßig gut widerspiegelt - und das auch nur in einigen ethnischen Gruppen.
Dagegen stieg das Risiko mit dem Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang in allen Gruppen und sogar bei schlanken oder untergewichtigen Personen mit einem niedrigen BMI. Insgesamt würde die Zahl der als gefährdet einzustufenden Personen bei Nutzung des Taillen-Hüftverhältnisses dreimal höher liegen als bei Verwendung des BMI, schätzen Yusuf und Kollegen. Ihre Resultate stehen im Einklang mit früheren Studien, die dem die inneren Organe umgebenden "Bauchfett" einen besonders starken Einfluss auf das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und Stoffwechselstörungen zugeschrieben hatten.
"Die wichtigste Lehre aus der neuen Studie ist, dass die gegenwärtige Praxis, den BMI als Maß für Fettleibigkeit zu nutzen, obsolet geworden ist", kommentieren Charlotte Kragelund und Torbjørn Omland von der Universität Oslo in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift. Offenbar führe die Verwendung des BMI dazu, "dass die schwerwiegenden Folgen der Übergewichtepidemie erheblich unterschätzt werden".
Forschung: Salim Yusuf, Steven Hawken und Sonia S. Anand, Population Health Research Institute, McMaster University und Hamilton Health Sciences, Hamilton, Ontario; und andere
Veröffentlicht in The Lancet, Vol. 366, 5. November 2005, pp 1640-9 und 1589-91
WWW:
Population Health Research Institute, McMaster University
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