6.11.2005, 15:07 Uhr
Kormorane heizen gegen den Winter an

Wer seine Wohnung schlecht isoliert hat, muss im Winter mehr heizen. Diese aufwändige Strategie scheinen auch Kormorane auf Grönland zu verfolgen, berichten französische und britische Forscher im "Journal of Experimental Biology". Die Vögel trotzen dem arktischen Winter, obwohl sie über keinerlei Anpassung an extreme Kälte verfügen.

Diese Resultate "widersprechen dem Paradigma, dass eine effiziente Wärmeisolierung eine Voraussetzung für die Besiedlung polarer Lebensräume durch Warmblüter ist", schreiben David Grémillet vom CNRS-Centre d'Ecologie et Physiologie Energétiques in Strasbourg und seine Kollegen.

Das Gefieder der Kormorane (Phalacrocorax carbo) ist teils wasserdurchlässig und stellt keine besonders gute Isolierung dar. Dementsprechend zieht es die Tiere im Winter häufig in wärmere Gefilde. Grémillet und Kollegen studierten nun eine hartnäckige Population der Vögel, die an der Küste Grönlands überwintert. Die Forscher implantierten zehn Männchen winzige Sensoren, die fast ein Jahr lang Herzschlag, Körpertemperatur und Tauchgänge der Vögel registrierten.

Zu Verblüffung der Forscher hielten die Kormorane ihre Körpertemperatur stets bei 38 bis 41 Grad Celsius. Auch ihr Puls blieb praktisch unverändert - offenbar versuchten die Vögel gar nicht erst, ihren Wärmeverlust im Winter durch Herunterfahren des Stoffwechsels zu reduzieren. Zudem setzten sie ihre Tauchgänge unverändert fort, obwohl die Wassertemperatur Minusgrade erreichte und die Polarnacht ihnen die Jagd auf Sicht erschwerte. Mangels Kälteanpassung dürfte den Tieren auch keine andere Wahl bleiben, vermuten die Forscher. Ihren Berechnungen zufolge, muss ein ausgewachsener Kormoran im arktischen Winter täglich fast 1,2 Kilogramm Beute "verheizen", wenn er den Frühling erleben will.


Forschung: David Grémillet und Grégoire Kuntz, Centre d'Ecologie et Physiologie Energétiques, CNRS, Strasbourg, und Institute Polair Français "Paul-Emile Victor", Plouzané; Patrick J. Butler, School of Biosciences, University of Birmingham; und andere

Veröffentlicht in Journal of Experimental Biology, Vol. 208, pp 4231-41, DOI 10.1242/jeb.01884

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Centre d'Ecologie et Physiologie Energétiques, Strasbourg
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