11.11.2005, 17:29 Uhr
Schwindende Nacht in den Alpen

In den 70er-Jahren waren die Nächte in den Alpen noch merklich dunkler als heute. Wie weit die künstliche Beleuchtung in den Hochgebirgsraum vorgedrungen ist, haben eine Schweizer Forscherin und ihre Kollegen ermittelt. Ehedem nur punktuell oder nicht beleuchtete Gebiete werden demnach zunehmend flächenhaft erhellt.

Katja Maus von der Universität Bern und ihre Kollegen nutzten Aufnahmen des US-amerikanischen Defense Meteorological Satellite Program. Die DMSP-Satelliten ziehen auf polnahen Umlaufbahnen ein- bis zweimal pro Nacht auch über Europa und registrieren dabei Lichtquellen am Boden. Maus überführte die Bilder aus den 70er-Jahren in digitale Form und konnte sie so direkt mit Aufnahmen jüngeren Datums vergleichen.

Satellitenbild: Die Nachtlandschaft der Alpen im Jahr 1979

Die Nachtlandschaft der Alpen im Jahr 1979. Bild: Copyright Katja Maus

Besonders starke Veränderungen haben demnach in den Randgebieten der Alpen stattgefunden: Insbesondere im Raum Mailand bzw. in der dicht besiedelten Poebene, aber auch im schweizerischen Mittelland, sind vormals vereinzelte Lichtinseln zu regelrechten Beleuchtungsteppichen zusammengewachsen. Allein im Zeitraum 1992-2000 hat sich die besonders stark beleuchtete Fläche verdoppelt, gleichzeitig stieg die Lichtintensität.

Die Gründe für diesen Trend sind vielfältig, ermittelte Maus' Kollege Marco Marcacci von der Università della Svizzera italiana, Lugano, am Beispiel des Tessin. Mit zunehmender Motorisierung und wachsenden Siedlungen hat sich demnach allein die Zahl der Straßenbeleuchtungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verzehnfacht. Auch Gebäude werden immer häufiger beleuchtet - anfangs vor allem Tankstellen, heute auch Großbaustellen, Sportarenen, Skipisten und regelrecht inszenierte Baudenkmäler und Altstädte. Jedoch scheinen nicht nur Naturschützer und Astronomen den Wert der Nacht zu schätzen, fand Marcacci. Immer häufig werden Veranstaltungen abgehalten, die gezielt auf die Ressource Dunkelheit setzen.


Forschung: Katja Maus, Geographisches Institut der Universität Bern; Jon Mathieu und Marco Marcacci, Istituto di Storia delle Alpi, Università della Svizzera italiana, Lugano

WWW:
Geographisches Institut, Uni Bern
- Mitteleuropa bei Nacht, 1992 - 2000
Istituto di Storia delle Alpi, Università della Svizzera italiana
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