11.11.2005, 13:12 Uhr
Meditieren stärkt geistige "Muskeln"

Ähnlich wie körperliches Training die Muskulatur stärkt, scheint sich regelmäßiges Meditieren auf das Gehirn auszuwirken. Entsprechende Resultate präsentieren amerikanische Forscher im Fachblatt "Neuroreport". Bei der Untersuchung von 20 Personen, die seit vielen Jahren meditieren, fanden sie in einigen Regionen der Gehirnrinde deutlich mehr graue Substanz als üblich.

"Der für mich faszinierendste Aspekt ist, dass sich Meditieren offenbar auf die graue Substanz jeder beliebigen Person auswirken kann", erläutert Jeremy Gray von der Yale University in New Haven, Connecticut. Die Studienteilnehmer seien ganz normale Berufstätige mit Familie gewesen. "Im Schnitt haben sie lediglich 40 Minuten pro Tag meditiert - man muss kein Mönch sein."

Frühere EEG-Studien hatten bereits gezeigt, dass regelmäßiges Meditieren mit einem veränderten Gehirnstrommuster einhergeht. Gemeinsam mit Sara Lazar vom Massachusetts General Hospital in Boston und anderen Kollegen ging Gray nun der Frage nach, ob bei solchen Personen auch strukturelle Veränderungen des Hirns zu finden sind. Dazu vermaßen sie per Kernspintomographie die Gehirne von 20 Freiwilligen, die sich seit vielen Jahren in der buddhistischen "Einsicht-Meditation" übten. Tatsächlich war die Großhirnrinde der Teilnehmer stellenweise dicker als bei Kontrollpersonen.

Die betroffenen Bereiche sind unter anderem an der Verarbeitung von Sinnesreizen, Signalen aus dem Körperinneren und Emotionen beteiligt, berichtet die Gruppe. "Die meisten dieser Regionen liegen in der rechten Gehirnhälfte. Diese Hemisphäre ist entscheidend für dauerhafte Aufmerksamkeit, einen zentralen Faktor bei der Einsicht-Meditation." Besonders ausgeprägt waren die Veränderungen bei älteren Teilnehmern, fanden Lazar, Gray und Kollegen. Vielleicht wirke Meditieren auch der altersbedingten Ausdünnung der grauen Substanz entgegen, spekulieren sie.


Forschung: Sara W. Lazar und Herbert Benson, Psychiatric Neuroimaging Research Program, Massachusetts General Hospital, und Department of Medicine, Beth Israel Deaconess Medical Center, Harvard Medical School, Boston, Massachusetts; Jeremy R. Gray, Department of Psychology, Yale University, New Haven, Connecticut; und andere

Veröffentlicht in Neuroreport, Vol. 16(17), pp 1893-7

WWW:
Massachusetts General Hospital
Gray Lab, Yale University
Meditation
Meditation beeinflusst Wahrnehmung
Musiker haben mehr im Kopf

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.