8.2.2006, 19:02 Uhr
Der lange Atem des Krakatau
Der gewaltige Ausbruch des Krakatau im Jahr 1883 wirkt sich noch heute auf die Weltmeere aus. Entsprechende Resultate von Computersimulationen präsentieren amerikanische und englische Atmosphärenforscher im Magazin "Nature". Als Folge des Vulkanausbruchs wanderte demnach eine Art kühle Welle von der Meeresoberfläche in tiefere Wasserschichten.
"Dieser bemerkenswerte Effekt auf die thermische Struktur der Ozeane ist länger anhaltend als bislang angenommen", schreiben Peter Gleckler vom kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory. "Und er reicht aus, um einen großen Teil der durch menschliche Einflüsse bedingten Meereserwärmung und des resultieren Meeresspiegel-Anstiegs auszugleichen."
Der Krakatau war im August 1883 ausgebrochen und hatte unter anderem große Mengen von Schwefeldioxid freigesetzt. Das Gas löste in der Atmosphäre das Wachstum winziger Flüssigkeitströpfchen aus, die das Sonnenlicht reflektierten. Gleckler und seine Kollegen verglichen nun die Resultate von zwölf Klimamodellen. Lediglich jene sechs Modelle, die den Aerosoleffekt berücksichtigten, ergaben einen Anstieg des Wärmeinhalts der Weltmeere, der annähernd mit den beobachteten Werten übereinstimmt.
Obwohl die Modelle unterschiedlich arbeiten, zeichneten alle ein ähnliches Bild: In den Jahren nach dem Ausbruch des Krakatau bewirkten die Aerosole eine deutliche Abkühlung der oberflächennahen Wasserschichten, die sich allmählich bis in Tiefen von zwei Kilometer fortsetzte. Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts erreichte der Wärmeinhalt der Weltmeere wieder den Wert vor dem Ausbruch. Bis zum Jahr 2000 stieg der Meeresspiegel aufgrund der Wärmeausdehnung des Meerwassers so nur um etwa 1,7 Zentimeter, schätzen Gleckler und Kollegen. Ohne die kühlende Wirkung der Krakatau-Aerosole hätte der Anstieg ein Vielfaches stärker sein können.
Forschung: Peter J. Gleckler, Krishna AchutaRao und Karl E. Taylor, Program for Climate Model Diagnosis and Intercomparison, Lawrence Livermore National Laboratory, Livermore, Kalifornien; und andere
Veröffentlichung Nature, Vol. 439, 9. Februar 2006, p 675, DOI 10.1038/439675a
WWW:
Program for Climate Model Diagnosis and Intercomparison, LLNL
Krakatau
Aerosole
Intergovernmental Panel on Climate Change
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