18.5.2005, 20:22 Uhr
Rot macht stark
Die Farbe Rot symbolisiert Aggression und Macht. Zwei britische Anthropologen haben nun festgestellt, dass sich dies auch in sportlichen Wettkämpfen niederschlägt. Trägt einer der Gegner Rot, erhöht dies seine Siegeschancen, berichten die Forscher im Magazin "Nature".
Russell Hill und Robert Barton von der University of Durham vermuten in dem Phänomen ein evolutionäres Relikt. Bei zahlreichen Tierarten sei Rot ein vom Geschlechtshormon Testosteron abhängiges Signal für die Qualität eines Männchens. Die neuen Resultate ließen daher vermuten, dass auch die menschliche Reaktion auf Farben durch die sexuelle Selektion beeinflusst sei. Und möglicherweise sollte "im Sport die Farbe der Bekleidung berücksichtigt werden, um einen fairen Wettstreit zu garantieren."
Angeregt durch frühere Untersuchungen zur Signalwirkung von Rot, analysierten Hill und Barton den Ausgang der Wettkämpfe im Boxen, Taekwondo und Ringen bei der letztjährigen Olympiade in Athen. Die Gegner trugen dabei, bestimmt nach dem Zufallsprinzip, blaue oder rote Trikots bzw. Schutzpolster. Tatsächlich gewannen die rot gewandeten Sportler deutlich häufiger: In 55 Prozent aller Fälle errangen sie den Sieg.
Dieser Zusammenhang galt allerdings nur, wenn die Gegner einander in etwa ebenbürtig waren, schränken die Anthropologen ein. Je stärker ein Kontrahent den anderen an Können oder Kraft übertraf, desto mehr schwand der Rot-Vorteil. Des ungeachtet ließen die Ergebnisse ein reiches Betätigungsfeld für Evolutionsforscher und Psychologen vermuten, so Hill und Barton.
Forschung: Russell A. Hill und Robert A. Barton, Evolutionary Anthropology Research Group, University of Durham
Veröffentlicht in Nature, Vol. 435, 19. Mai 2005, p 293
WWW:
Evolutionary Anthropology Research Group, Durham
Rot
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