18.5.2005, 11:37 Uhr
"Tickender" Stern gibt Rätsel auf

Auf Ordnung im Chaos ist eine kanadische Astronomin gestoßen. Wie die Forscherin und ihre Kollegen auf einer Fachtagung in Montréal berichten, wird ein 19.000 Lichtjahre von der Sonne entfernter Stern im 10-Stunden-Rhythmus heller und wieder dunkler. Gleichzeitig bläst er sekündlich Billionen Tonnen heißen Plasmas ins All.

"Für Astronomen, die massereiche Sterne erforschen, ist die Beobachtung eines Takts in einem Stern wie WR123 vergleichbar der Entdeckung des Rosetta-Steins", erklärt Laure Lefevre von der Université de Montréal. "Zwar tickt WR123 wie ein Uhrwerk, dahinter muss jedoch ein wirklich bizarrer Mechanismus stecken."

Grafik eines Wolf-Rayet-Sterns, darüber gelegt die Helligkeitskurve von WR123

Grafik: Lefevre et al./U Montréal; Y.Grosdidier, A. Moffat and A.Acker (U Montréal & Observatoire de Strasbourg), G.Joncas (U Laval), and NASA

WR123 gehört zur Klasse der Wolf-Rayet-Sterne, alternden Gestirnen, deren Helligkeit mit ihrem extrem starken und turbulenten Sternenwind schwankt. Levefre und ihre Kollegen ließen den kanadischen MOST-Satelliten fünf Wochen lang ohne Pause auf den massereichen Exoten im Sternbild des Adlers starren. Dabei fanden sie in den vermeintlich chaotischen Helligkeitsschwankungen eine regelmäßig alle zehn Stunden auftretende Variation.

Derzeit seien drei Ursachen für das regelmäßige Aufleuchten vorstellbar, so Lefevre. Vielleicht gehe es auf die Eigenrotation von WR123 zurück. In diesem Fall müssten die Zentrifugalkräfte die äußeren Schichten des Sterns förmlich zerreißen - dies könnte immerhin den starken Plasmawind erklären. Eine weitere Möglichkeit sei ein massereicher Begleiter, der dann allerdings "innerhalb" von WR123 seine Bahn ziehen würde. Sollte dagegen ein regelmäßiges Pulsieren des Sterns die Ursache sein, müssten sämtliche Theorien zu den Vorgängen in derart massereichen Sternen überarbeitet werden.


Forschung: Laure Lefevre und Anthony Moffat, Groupe d'Astrophysique, Département de Physique, Université de Montréal; und andere

Präsentation auf dem 35th Annual Meeting of the Canadian Astronomical Society, Montréal

WWW:
Groupe d'Astrophysique, U Montréal
Wolf-Rayet Stars
Wenn Sternwinde kollidieren

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