17.5.2005, 11:00 Uhr
Zuschauernähe beeinflusst Schiedsrichter

Wie ausgeprägt der Heimvorteil einer Fußballmannschaft ist, hängt auch von ihrem Stadion ab. Zu diesem bemerkenswerten Ergebnis kommt ein Bonner Wirtschaftswissenschaftler nach der Analyse von 3.519 Bundesliga-Begegnungen. Schiedsrichter pfeifen demnach stärker für die Heimmannschaft, wenn das Spielfeld nicht durch eine Laufbahn von den Zuschauerrängen getrennt ist.

Beispielsweise gestanden die Unparteiischen zurückliegenden Heimteams in Stadien ohne Laufbahn eine Minute mehr Nachspielzeit zu, ermittelte Thomas Dohmen vom Institut zur Zukunft der Arbeit und der Universität Bonn. Auf diese Weise konnten die Heimmannschaften länger versuchen, ihren Rückstand aufzuholen. War eine Tartanbahn vorhanden, hing die Länge der Nachspielzeit dagegen nicht vom Spielstand ab. "Wahrscheinlich ist der Schiedsrichter einem höheren sozialen Druck ausgesetzt, wenn sich die Zuschauer direkt am Spielfeld befinden", vermutet der Forscher.

Für diese Interpretation spricht auch eine weitere Beobachtung: Je geringer die Entfernung zwischen den Heimatorten der rivalisierenden Teams war, desto geringer fiel auch die Begünstigung der Heimmannschaft aus. "Je näher der Gegner, desto mehr Fans fahren zu einem Auswärtsspiel", erklärt Dohmen. Zu weit entfernten Spielen reisten dagegen weit weniger Fans von auswärts an. "Umso erdrückender ist dort natürlich die Heimmacht auf den Rängen und damit der Druck auf den Referee."

Dies äußert sich auch in den Entscheidungen über Strafstöße, fand der Wirtschaftswissenschaftler. Vom Beginn der Saison 1993/94 bis zur Winterpause der Saison 2003/04 zeigten die Schiedsrichter 857-mal auf den Elfmeterpunkt. Die nachträgliche Analyse zeigte, dass nur 65 Prozent der Elfmeter für die Heimmannschaft zu Recht gegeben wurden, verglichen mit immerhin 72 Prozent der "Elfer" für die Gäste. Und wieder war der Unterschied deutlich stärker in Stadien ohne Pufferzone zwischen Spielfeld und Fans.


Forschung: Thomas Dohmen, Institut zur Zukunft der Arbeit, Bonn

WWW:
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