25.4.2005, 18:04 Uhr
Kleiner Fisch lebt hastig
Das Riff ist ein gefährlicher Ort für kleine Fische. Umso eiliger haben es die Winzlinge, ihren Lebenszyklus zu durchlaufen, berichten zwei australische Meeresbiologen im Fachblatt "Current Biology". Die von ihnen untersuchte Zwerggrundel benötigt für Larvenstadium, Reifung und Fortpflanzung höchstens 59 Tage - die kürzeste, jemals bei einem Wirbeltier gemessene Lebensspanne.
"Sämtliche Erfordernisse des Lebens binnen acht Wochen zu bewältigen, ist eine bemerkenswerte evolutionäre Errungenschaft für ein Wirbeltier", schreiben Martial Depczynski und David Bellwood von der James Cook University in Townsville, Queensland. Studienobjekt der Forscher ist die Zwerggrundel Eviota sigillata. Maximal zwei Zentimeter groß, leben die Fische versteckt zwischen Korallen im Indischen und Pazifischen Ozean.
Foto: Copyright J.E. Randall
Um mehr über den Lebenswandel der Zwerggrundel zu erfahren, untersuchten die Biologen die "Ohrsteine" im Gleichgewichtsorgan von 319 Individuen. Die aus Kalk bestehenden Otolithen wachsen jeden Tag um eine weitere Schicht, ähnlich Baumringen, und geben so Auskunft über Alter und Aufenthaltsorte der Tiere. Eviota sigillata verbringt demnach die ersten 24 Tage ihres Lebens als Larve auf hoher See. Nach dem Ansiedeln am Riff benötigen die Tiere mindestens weitere zehn Tage, um die Geschlechtsreife zu erreichen. Damit verbleiben ihnen bestenfalls 25 Tage, um sich zu paaren und ihre Eigelege bis zum Schlüpfen der nächsten Generation zu hüten.
Tatsächlich beträgt die Generationszeit im Schnitt nur 49 Tage, fanden Depczynski und Bellwood. Pro Jahr schaffen die Zwerggrundeln daher 7,4 Generationen. Diese Hast sei vermutlich eine Anpassung an die zahlreichen Fressfeinde und die resultierende Sterblichkeit von bis zu acht Prozent pro Tag, vermuten die Forscher. Schätzungsweise bis zu 40 Prozent der über 4.000 Fischarten im Korallenriff seien ähnlich klein wie die Zwerggrundel. Damit beständen gute Chancen, "in Riff-Ökosystemen auf weitere Extrema der Wirbeltier-Biologie zu stoßen."
Forschung: Martial Depczynski und David R. Bellwood, Centre for Coral Reef Biodiversity, Department of Marine Biology, James Cook University, Townsville, Queensland
Veröffentlicht in Current Biology, Vol. 15(8), 26. April 2005, pp R288-9
WWW:
Centre for Coral Reef Biodiversity, James Cook University
Eviotella sigillata
Otolithen
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