20.4.2005, 19:43 Uhr
Innerer Jetlag macht krank
Schichtdienst ist nicht nur den sozialen Kontakten abträglich, sondern schadet auch der Gesundheit. Das Hauptproblem scheinen die Wechsel zwischen unterschiedlichen Arbeitszeiten zu sein, zeigen zwei Berichte britischer Forscher. Wechseln sie immer wieder zwischen Nacht- und Tagschicht, weisen Arbeiter ein deutlich erhöhtes Risiko für Krankheiten und Berufsunfälle auf. Das berichtet das Magazin "New Scientist" in seiner neuen Ausgabe.
Die zwei Arbeitsgruppen um Josephine Arendt von der University of Surrey, Guildford, und um Andrew Smith von der Cardiff University studierten 45 Arbeiter auf Ölbohrplattformen, die unterschiedliche Arbeitsrhythmen einhielten. Einige arbeiteten zwei Wochen lang ausschließlich in der Tag- bzw. Nachtschicht. Die meisten wechselten dagegen nach einer Woche von der Nacht- zur Tagschicht, um ihre innere Uhr für den folgenden Landurlaub wieder auf Nachtschlaf einzustimmen - eine folgenschwere Entscheidung.
Urintests zeigten, dass die Spiegel des während des Schlafs ausgeschütteten Hormons Melatonin bei den Wechselschicht-Arbeitern nach der Umstellung weiter im alten Takt schwankten. Diese Arbeiter fühlten sich erschöpfter und waren bei der Arbeit weniger aufmerksam. Zudem stiegen die Spiegel freier Fettsäuren in ihrem Blut nach den Mahlzeiten ungewöhnlich stark an, schreiben die Forscher in ihren Berichten an die britische Behörde für Arbeitssicherheit, die Health and Safety Executive.
Die Schichtumstellung erhöhte damit nicht nur das Risiko für Arbeitsunfälle, sondern auch für Kreislauferkrankungen, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen. "Die Wechselschichten gehen an die Substanz", so Arendt gegenüber dem "New Scientist." Ein derartiger Arbeitsrhythmus werde sich wohl nicht in allen Fällen vermeiden lassen, ergänzt Smith. Immerhin könne man die schädlichen Effekte aber abschwächen, etwa durch Vermeiden sehr fett- oder zuckerhaltiger Snacks.
Forschung: Josephine Arendt, Centre for Chronobiology, School of Biomedical and Molecular Sciences, University of Surrey, Guildford; Andrew Smith, School of Psychology, Cardiff University; und andere
WWW:
New Scientist
Circadiane Rhythmen
Centre for Chronobiology, U of Surrey
School of Psychology, U of Cardiff
| [Zurück] | |

