26.4.2005, 11:21 Uhr
Cassini bekommt Titans Hexenküche zu schmecken

Im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Vollen geschöpft hat die Sonde Cassini. Während ihres engsten Vorbeiflugs am Saturnmond Titan streifte die Sonde auch den organischen Dunstschleier der exotischen Welt. Dabei registrierte sie eine Vielzahl von Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen.

Schon die Messdaten des Landers Huygens hatten gezeigt, dass solche Verbindungen von zentraler Bedeutung für Wetter und Geologie Titans sind. Demnach gibt es in der dichten Atmosphäre des Saturnmonds einen ähnlichen Kreislauf von Verdunstung und Niederschlägen wie auf der Erde. An die Stelle des Wassers treten dort allerdings leichte Kohlenwasserstoffe wie Methan und Ethan.

Drei Aufnahmen Titans bei unterschiedlichen Wellenlängen

Titan im sichtbaren Licht, im Infrarot und eine VIS-IR-Kombination. Bild: NASA/JPL/Space Science Institute

Bei ihrem jüngsten Vorbeiflug am 22. April war Cassini bis auf 1.027 Kilometer an Titan herangekommen und dabei auch durch die äußeren Schichten des organischen Dunstschleiers gepflügt, der den größten Saturnmond gegen Blicke von außen abschottet. Das Massenspektrometer an Bord der Sonde registrierte dabei eine den gesamten Messbereich abdeckende Mischung von Verbindungen: Der Schleier enthält demnach Kohlenwasserstoffe mit bis zu sieben Kohlenstoffatomen sowie Kohlenstoff-Stickstoff-Verbindungen aus der Gruppe der Nitrile.

"Wir beginnen nun, die Rolle der oberen Atmosphäre im komplexen Kohlenstoff-Kreislauf Titans zu verstehen", sagt Hunter Waite von der University of Michigan in Ann Arbor, der Leiter des Massenspektrometer-Teams. Die Verbindungen entständen vermutlich, wenn molekularer Stickstoff und Methan, die Hauptbestandteile der Titan-Atmosphäre, unter dem Einfluss von Sonnenlicht und im Magnetfeld des Saturn gefangenen Partikeln reagierten. Angesichts der niedrigen Temperaturen hätte man allerdings erwarten sollen, dass sie sehr rasch zu einem organischen Regen kondensierten.

Massenspektrogramm des Dunstschleiers: Zahlreiche Ausschläge, regelmäßige 'Spitzen' mit jedem neuen C-Atom

Massenspektrogramm des Titan-Dunstschleiers. Grafik: NASA/JPL/University of Michigan


Forschung: J. Hunter Waite, Department of Atmospheric, Oceanic, and Space Sciences, University of Michigan, Ann Arbor; und andere

WWW:
Center for Planetary Sciences, U Michigan
Cassini-Huygens
- Ion and Neutral Mass Spectrometer
Organische Chemie
Titan: Geformt durch Methan

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