26.4.2005, 13:51 Uhr
Darwin litt an Laktose-Intoleranz
Seit einigen Tausend Jahren halten Menschen Milchvieh. Ausgerechnet Charles Darwin scheint unter einer mangelnden Anpassung an diese Nahrungsquelle gelitten zu haben. Nach Ansicht zweier walisischer Mediziner wurde der Begründer der Evolutionstheorie zeitlebens von Übelkeit und Bauchgrimmen heimgesucht, da er keinen Milchzucker verdauen konnte.
Ein großer Teil der Weltbevölkerung verliert mit dem Alter die Fähigkeit, im Dünndarm das für die Spaltung der Laktose verantwortliche Enzym herzustellen. Gelangt der Zucker daher in den Dickdarm, wird er dort von Mikroben zu Milchsäure und Wasserstoff umgesetzt. Weitere mögliche Folgen sind Erbrechen, Blähungen und Durchfall, aber auch Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Gelenk- und Muskelschmerzen sowie Hautprobleme und Herzklopfen.
All diese Symptome habe Darwin in seinen Briefen und Tagebüchern erwähnt, schreiben Anthony Campbell und Stephanie Matthews vom Darwin Centre for Biology and Medicine in Pembrokeshire im "Postgraduate Medical Journal". Eine der Attacken sei unmittelbar vor dem Ablegen der "HMS Beagle" im Dezember 1831 aufgetreten und habe beinahe eine der folgenschwersten Reisen der Biologie verhindert.
Seinerzeit sei die Unverträglichkeit jedoch unbekannt gewesen. Stattdessen hätten die behandelnden Ärzte dem Naturforscher allerlei fragwürdige Therapien angedeihen lassen - darunter die Verabreichung von Arsen, Quecksilber, Morphium oder Chinin. Und auch modernere Ärzte hätten von Herzschwäche und Geschwüren über Infektionen und Allergien bis hin zu psychosomatischen Erkrankungen nachträglich die unterschiedlichsten Diagnosen gestellt.
Den Schlüssel zur Diagnose der Laktose-Intoleranz liefert der Patient wiederum selbst, berichten Campbell und Matthews. "Die Übelkeit setzt üblicherweise zwei bis drei Stunden nach einer Mahlzeit ein", habe Darwin in einem Brief geschrieben. Dies sei eben jene Zeit, die der Speisebrei bis zum Erreichen des Dickdarms benötige. Zudem sei die gesamte Verwandtschaft Darwins für ihre schwache Konstitution bekannt gewesen - ein weiterer Hinweis auf die erbliche Unverträglichkeit.
Forschung: Anthony K. Campbell und Stephanie B. Matthews, Darwin Centre for Biology and Medicine, Pembrokeshire, und Department of Medical Biochemistry and Immunology, Wales College of Medicine, Cardiff University
Veröffentlicht in Postgraduate Medical Journal, Vol. 81, pp 248-51, DOI 10.1136/pgmj.2004.025569
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