7.3.2005, 18:13 Uhr
Fahrtenschreiber im menschlichen Genom

Je weiter entfernt von Ostafrika eine Menschengruppe lebt, desto geringer ist die Vielfalt in ihrem Erbgut. Das berichten britische Genetiker im Fachblatt "Current Biology". Laut den Forschern bekräftigt ihr Befund die Annahme, dass der moderne Mensch vor rund 100.000 Jahren von Afrika aus die Welt besiedelte und dabei seine älteren Vettern verdrängte, beispielsweise den Neandertaler in Europa.

"Unsere Resultate sprechen für eine Besiedlungsgeschichte der Welt, die durch eine sehr geringe Zahl genetischer Engpässe und einen eingeschränkten nachfolgenden Genfluss charakterisiert ist", schreiben die Forscher um François Balloux von der University of Cambridge. Die Abnahme der genetischen Vielfalt erfolge jedoch kontinuierlich und nicht etwa in diskreten Schritten, "die als Belege für menschliche 'Rassen' interpretiert werden könnten".

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die genetische Vielfalt einer Population abnimmt, je stärker sich ihr Erbgut von dem ostafrikanischer Menschen unterscheidet. Anhand von 51 Bevölkerungsgruppen aus verschiedenen Teilen der Welt testeten Balloux und seine Kollegen nun, ob dieser Zusammenhang neben der genetischen auch für die geographische Distanz gilt - entsprechend der Vorstellung, dass immer nur ein Teil einer Menschengruppe zu neuen Ufern aufbricht.

Als Indikatoren für die Vielfalt im Erbgut nutzten die Forscher 377 Mikrosatelliten - DNA-Regionen, die keine genetische Information enthalten und daher mit der Zeit frei mutieren können. Diese Werte trugen sie gegen die Strecke auf, die der moderne Mensch von seiner ostafrikanischen Wiege bis zur Heimat der jeweiligen Population zurückgelegt hatte. Mit der Entfernung nimmt die genetische Vielfalt stetig ab, berichten Balloux und Kollegen - ihre unterschiedlichen Werte können zu rund 85 Prozent allein durch die "Wanderstrecke" erklärt werden. Die Annahme unterschiedlicher ethnischer Gruppen steigere den erklärten Anteil jedoch nicht weiter.


Forschung: Franck Prugnolle, Andrea Manica und François Balloux, Theoretical and Molecular Population Genetics Group, Department of Genetics, und Evolutionary Ecology Group, Department of Zoology, University of Cambridge

Veröffentlicht in Current Biology, Vol. 15(5), 8. März 2005, pp R159-R160

WWW:
Balloux Lab
Multiregional and Replacement Theories
Africans Under the Skin
Der Pekingmensch

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.