11.3.2005, 12:24 Uhr
Wo die Städte wachsen

Schon bald wird die Mehrheit der Weltbevölkerung nicht mehr auf dem Land, sondern in Städten leben. Die räumliche Dimension dieser Entwicklung verdeutlicht eine neue Datensammlung, die eine amerikanische Forscherin und ihre Kollegen erstellt haben. Schon heute sind demnach gut drei Prozent der Landoberfläche der Erde urbanisiert - bisherige Schätzungen waren von höchstens zwei Prozent ausgegangen.

Die Forscher um Deborah Balk von der Columbia University in New York kombinierten Satellitendaten und nationale Bevölkerungsstatistiken, um Städte bzw. größere Ballungszentren zu identifizieren und die jeweilige Bevölkerungsdichte zu ermitteln. Resultat dieser Bemühungen ist die Datenbank des Global Rural Urban Mapping Project, kurz GRUMP. Öffentlich zugänglich, enthält sie Angaben zu rund 24.000 Stadtregionen - von lediglich einen Quadratkilometer großen Ortschaften bis zur Megacity Tokyo, erwachsen aus 500 einzelnen Städten auf einer Fläche von 30.000 Quadratkilometern.

Grafik: Städte weltweit und in einzelnen Ökozonen

Grafik: GRUMP / Columbia University

Erst diese Datensammlung mögliche es, "die Urbanisierung und den Zusammenhang zwischen Bevölkerung, Ökosystemen und Landnutzung genauer zu analysieren", erläutert Balk. In Küstenregionen lebten demnach beispielsweise 65 Prozent der Bevölkerung in Städten, die wiederum ein Zehntel der Gesamtfläche ausmachten. "Küstenzonen sind städtischer als jedes andere Ökosystem", so die Demographin weiter, "selbst auf dem Land ist die Bevölkerungsdichte dort sehr viel höher als in anderen Regionen."

Rund sieben Prozent der Weltbevölkerung leben heute in großen Ballungszentren wie Tokyo, zeigt die GRUMP-Datensammlung. Auch in diesem Fall waren frühere Schätzungen mit vier Prozent deutlich niedriger ausgefallen. Umgekehrt haben 20 Prozent der städtischen Siedlungen weniger als 500.000 Einwohner. Laut Balk ist dieses Resultat umso bemerkenswerter, als die zuständige Abteilung der Vereinten Nationen nur Stadtgebiete mit mehr als einer halben Million Einwohnern berücksichtige.


Forschung: Deborah Balk, Center for International Earth Science Information Network (CIESIN), Earth Institute, Columbia University, New York; und andere

WWW:
CIESIN, Columbia University
Gridded Population of the World
United Nations Population Division
Städte verschlingen produktivste Böden

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