9.3.2005, 19:16 Uhr
Sanfter Einschlag schuf Wüstenkrater

Einer der berühmtesten Krater der Erde entstand bei einem vergleichsweise sanften Einschlag, ist ein amerikanisches Forscherduo überzeugt. Der spektakuläre Meteor Crater im US-Bundesstaat Arizona wurde demnach geschaffen, indem ein stark eisenhaltiger Meteorit mit etwa 12 Kilometern pro Sekunde auf den Boden traf - zu langsam, um größere Gesteinsmengen aufschmelzen.

"Meteor Crater war der erste Krater auf der Erde, der als Narbe eines Meteoriteneinschlags identifiziert wurde", sagt Jay Melosh von der University of Arizona in Tucson. Kein anderer irdischer Krater sei so gründlich untersucht worden wie das 1,2 Kilometer weite und 170 Meter tiefe Loch im Colorado-Plateau. Dennoch rätselten Geowissenschaftler immer noch, warum der Untergrund weniger stark aufgeschmolzen worden sei, als man nach Extrapolation von größeren Kratern erwarten sollte.

Foto des Kraters

Bild: D. Roddy, LPI, NASA Johnson Space Center

Des Rätsels Lösung liegt in der Erdatmosphäre, schreiben Melosh und sein Kollege Gareth Collins im Magazin "Nature". Ihren Computersimulationen zufolge, könnte der Krater auf ein etwa 40 Meter großes Projektil zurückgehen, das mit 17 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre eintrat. In 14 Kilometern Höhe zerbrach dieser Brocken am Druck seiner eigenen Bugwelle. Die einzelnen Fragmente drifteten auseinander und bildeten einen 200 Meter weiten, pfannkuchenförmigen Trümmerschwarm.

Die Breitseite voran und auf einen entsprechenden Luftwiderstand treffend, wurde dieser Schwarm auf 13 Kilometer pro Sekunde abgebremst. Letztlich schaffte es jedoch nur ein Fragment mit der halben Masse des Ausgangskörpers bis zum Erdboden und setzte dort eine Energie entsprechend 2,5 Megatonnen TNT frei. Der weitaus größere Anteil der Anfangsenergie, insgesamt 6,5 Megatonnen, wurde bereits in der Atmosphäre in Form einer gewaltigen Druckwelle freigesetzt.

Frühere Abschätzungen hätten Einschlag-Geschwindigkeiten von bis zu 20 Kilometern pro Sekunde ergeben, so Melosh und Collins. Den Mangel an Schmelze habe man durch sehr poröses oder karbonathaltiges Gestein zu erklären versucht, das explosionsartig Wasser bzw. Kohlendioxid freigesetzt und die Gesteinsschmelze förmlich zerstäubt habe. "Berücksichtigt man jedoch die Folgen des Eintritts in die Atmosphäre, besteht keinerlei Diskrepanz", schließen die Forscher. Für ihr Szenario sprächen auch die Mengen kleiner eisenhaltiger Meteoritenfragmente, die man in der Umgebung des Kraters gefunden habe.


Forschung: H. Jay Melosh und Gareth S. Collins, Lunar and Planetary Laboratory, University of Arizona, Tucson

Veröffentlicht in Nature, Vol. 434, 10. März 2005, p 157

WWW:
Lunar and Planetary Laboratory, U Arizona
- Impact Effects Calculator
- Meteor Crater

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