10.6.2005, 16:51 Uhr
Wie der Nil fette und magere Jahre brachte

Der Einfluss des nordatlantischen Wettergeschehens reicht offenbar weiter als bislang angenommen. Das lässt eine neue Analyse der Wasserführung des Nils vermuten, die amerikanische Forscher im Fachblatt "Geophysical Research Letters" vorstellen. Die seit Jahrhunderten aufgezeichneten Pegelstände des Flusses variieren demnach im Rhythmus von etwa sieben Jahren - ähnlich den Bedingungen in der nordatlantischen Wetterküche.

"Atmosphärische Zirkulationsmuster über dem Nordatlantik haben wohlbekannte Effekte im Mittelmeerraum und in Nordafrika", schreiben Michael Ghil und seine Kollegen von der University of California, Los Angeles. Dass der Einfluss bis in die ostafrikanischen Quellgebiete des Nils reiche, sei dagegen neu.

"Darüber hinaus ist es verlockend, in dem 7-Jahres-Auschlag in den Aufzeichnungen jenen Zyklus zu erkennen, der bereits in der biblischen Geschichte des Joseph erwähnt wird", so die Forscher weiter. In der Geschichte im Buch Genesis deutet Joseph die Träume des Pharao als Vorzeichen von sieben Jahren des Überflusses, gefolgt von sieben Jahren des Hungers.

Zur Zeit der Pharaonen und im Mittelalter war Ägypten darauf angewiesen, dass das jährliche Sommerhochwasser des Nils fruchtbaren Schlamm auf die Felder trug. Umso sorgfältiger wurde das Verhalten des Flusses beobachtet, unter anderem durch eine Pegelstation in Kairo. Deren heute noch erhaltenen Daten reichen bis in das Jahr 622 zurück. Ghil und Kollegen nutzten statistische Methoden, um Lücken in diesem Datenmaterial zu überbrücken und eventuell vorhandene Rhythmen in dem Auf und Ab des Nils zu erkennen.

Tatsächlich fanden sie Zyklen mit Längen von 256, 64, 19, 12, 7, 4,2 und 2,2 Jahren. Letztere gehen nach Ansicht der Forscher auf den Einfluss der El-Niño/Southern Oscillation zurück, die langen Rhythmen dagegen auf astronomische Phänomene. Zudem scheint sich der langsame Grundrhythmus des Nils während der mittelalterlichen Warmperiode merklich verschoben zu haben. Dieser Befund "bekräftigt die Sorge über die möglichen Effekte von Klimaveränderungen in der nicht allzu fernen Zukunft", schließen Ghil und Kollegen.


Forschung: Dmitri Kondrashov, Y. Feliks und Michael Ghil, Department of Atmospheric and Oceanic Sciences und Institute of Geophysics and Planetary Physics, University of California, Los Angeles

Veröffentlicht in Geophysical Research Letters, Vol. 32, L10702, DOI 10.1029/2004GL022156

WWW:
Theoretical Climate Dynamics Group, UCLA
The Nilometer in Cairo
Genesis, Kapitel 41
Uralte Wetterweiche über dem Atlantik
Tunnel-Datierung bestätigt Bibel

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.