6.6.2005, 19:35 Uhr
Meditation beeinflusst Wahrnehmung

Die Fähigkeiten buddhistischer Mönche können Neurowissenschaftlern neue Einsichten in die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns ermöglichen. Entsprechende Resultate präsentieren australische und amerikanische Forscher im Fachblatt "Current Biology". Hatten die Mönche meditiert, riefen optische Illusionen bei ihnen zum Teil gänzlich neue Effekte hervor.

Foto: Mönch mit SichtbrilleDass man die Welt je nach Stimmung unterschiedlich sieht, ist eine alltägliche Erfahrung. Nach Ansicht der Forscher um Olivia Carter und John Pettigrew von der University of Queensland in St. Lucia könnte die Zusammenarbeit von Mönchen und Forschern aufzeigen, welche neuralen Mechanismen dabei am Werke sind, und so beide Seiten einem tieferen Verständnis des Bewusstseins näher bringen.

An der Studie nahmen insgesamt 76 tibetanische buddhistische Mönche teil, die bis zu 54 Jahre Meditations-Erfahrung hatten und von denen einige normalerweise in extremer Abgeschiedenheit lebten. Über eine spezielle Sichtbrille wurden den Teilnehmer vertikale und horizontale Streifenmuster in das linke bzw. rechte Auge projiziert. Normalerweise nimmt das Gehirn mal das eine, mal das andere Muster stärker wahr. Auch bei den Mönchen kam es zu diesem "binokularen Wettstreit". Allerdings sprang die Wahrnehmung bei ihnen sehr viel langsamer, nachdem sie sich im Rahmen einer Meditation vollkommen auf ein Objekt konzentriert hatten.

In einigen Fällen sei die Wahrnehmung schließlich überhaupt nicht mehr gesprungen, berichten Carter und Pettigrew und ihre Kollegen. Bei anderen Mönchen hätten sich die beiden einfachen Streifenmuster sogar zu einem Bild von räumlicher Tiefe und gesteigertem Kontrast überlagert. Beide Effekte seien bei mehr als Tausend nicht meditationserfahrenen Probanden niemals aufgetreten, so die Forscher.

Bei einem zweiten Versuch sahen die Mönche Farbpunkte vor einem sich bewegenden Hintergrund. Nach einiger Zeit blendet das Gehirn die Punkte vorübergehend aus. Nach der Meditation hielt diese "bewegungsinduzierte Blindheit" (motion-induced blindness) im Schnitt 4,1 Sekunden an, während es die Kontrollgruppe auf bestenfalls 2,6 Sekunden brachte. Einer der "Einsiedler" habe den Effekt derart gut kontrollieren können, dass der erste Farbpunkt nach über 12 Minuten wieder aufgetaucht sei, schreiben die Wissenschaftler.

Foto: Courtesy of Olivia Carter


Forschung: Olivia Carter und John D. Pettigrew, Vision, Touch and Hearing Research Centre, University of Queensland, St. Lucia; und andere

Veröffentlicht in Current Biology, Vol. 15(11), 7. Juni 2005, pp R412-3

WWW:
UQ Vision Touch & Hearing Centre
Binocular Rivalry
55 Optical Illusions & Visual Phenomena
- Motion-Induced Blindness
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