6.6.2005, 13:15 Uhr
Antibiotika aus Gülle in Nutzpflanzen
In der Tierhaltung eingesetzte Antibiotika können weite Wege zurücklegen, haben westfälische Forscher entdeckt. Bei der Düngung gelangen die Wirkstoffe mit der Gülle behandelter Tiere in den Ackerboden, in die Wurzeln darauf wachsenden Getreides und sogar bis ins Korn.
Damit sei die Kette von der Spritze bis zur Nutzpflanze erstmals lückenlos nachgewiesen, erläutert Manfred Grote. "Infolge zunehmender Risiken durch Antibiotikaresistenzen sind diese Ergebnisse von besonderer Bedeutung", so der Chemiker von der Universität Paderborn. Ebenfalls an der Untersuchung beteiligt waren Arbeitsgruppen der Fachhochschule Südwestfalen in Soest und der Bundesanstalt für Ernährung und Lebensmittel in Detmold
Im Laufe der dreijährigen Studie wurden Ferkel mit Chlortetracyclin und Sulfonamidpräparaten behandelt. Zur Gülle vereinigt und gelagert, kamen die Ausscheidungen der Tiere als Dünger auf Felder, auf denen schließlich Winterweizen und Feldsalat angebaut wurden. Noch nach acht Monaten Lagerung waren die ausgeschiedenen Arzneistoffe in der Gülle und auch in den oberen Bodenschichten der damit gedüngten Felder nachweisbar. Und auch in den Pflanzen selbst wurden die Forscher fündig.
"Unsere Analysen der erntereifen Pflanzen ergaben Antibiotikagehalte in Wurzeln und Grünanteilen", so Grote. "Und wir waren sehr überrascht, auch im Korn des Winterweizens Spurengehalte an Chlortetracyclin, circa 50 Mikrogramm pro Kilogramm, zu finden". Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, ob sich die Resultate der Modellversuche auf die landwirtschaftliche Praxis übertragen lassen. In diesem Fall sei es laut Grote durchaus möglich, dass Antibiotikarückstände in der Nahrung die Problematik der Resistenzbildung bei Krankheitserregern verschärfen.
Forschung: Manfred Grote, Department Chemie, Universität Paderborn; Mechthild Freitag, Fachbereich Agrarwirtschaft, Fachhochschule Südwestfalen, Soest; Thomas Betsche, Bundesanstalt für Ernährung und Lebensmittel, Detmold
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