8.6.2005, 18:50 Uhr
Mars-Methan auch ohne Leben
Auch wenn dem Marsboden reichlich Methan entweichen sollte, muss dies noch längst kein Anzeichen für Leben sein. Zu diesem Schluss kommen zwei amerikanische Geologen im Fachblatt "Geophysical Research Letters". Ihren Berechnungen zufolge, kann das vermeintliche Faulgas auf rein anorganische Reaktionen im Gestein zurückgehen.
"In unserer Arbeit zeigen wir, dass sich das Mineral Olivin in Gegenwart von Wasser und Kohlendioxid leicht umwandelt und dabei Methan produziert", erläutert Mukul Sharma vom Dartmouth College in Hanover, New Hampshire. "Sollte es tatsächlich Leben auf dem Mars geben, muss man mir schon bessere Belege dafür präsentieren als Methan."
Marsregion Nili Fossae: Die Infrarotaufnahme der Sonde Mars Odyssey zeigt umfangreiche Olivinvorkommen (lila). Bild: NASA/JPL/Arizona State University
Die europäische Sonde Mars Express hatte in der Atmosphäre des Mars regelrechte Methanfahnen aufgespürt, die zudem von Wasserdampf begleitet werden. Insbesondere Vittorio Formisano vom Istituto di Fisica dello Spazio Interplanetario in Rom, einer der an der Mission beteiligten Wissenschaftler, ist überzeugt, dass die Gase lebensfreundlichen Nischen im Marsboden entströmen. Andere Forscher halten ihm entgegen, das Methan könnte bei der Umwandlung des Minerals Olivin in Serpentin-Mineralien entstehen. Die Berechnungen von Oze und Sharma bekräftigen diese Ansicht nun.
Um den gemessenen Methangehalt aufrechtzuerhalten, müssten demnach jährlich 80.000 Tonnen Olivin umgewandelt werden. Über die Lebenszeit des Mars von etwa 4,5 Milliarden Jahren gerechnet, entspräche dies einer lediglich 50 Zentimeter dicken Olivinschicht. Tatsächlich waren an der Marsoberfläche große Mengen des grünlichen Silikatminerals entdeckt, jedoch als Zeichen für eine seit langem währende Trockenheit gedeutet worden.
Selbst wenn die als Serpentinisierung bezeichnete Reaktion heute nicht mehr ablaufen sollte, könnte immer noch Methan aus im Untergrund gespeicherten Methanhydraten entweichen, argumentieren Sharma und sein Kollege. "Das ist sehr einfach zu bewerkstelligen", so der Forscher, "und es hat überhaupt nichts mit Bakterien zu tun."
Forschung: Christopher Oze und Mukul Sharma, Department of Earth Sciences, Dartmouth College, Hanover, New Hampshire
Veröffentlicht in Geophysical Research Letters, Vol. 32, L10203, DOI 10.1029/2005GL022691
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