8.6.2005, 13:18 Uhr
Muschelsterben durch indianische Landwirtschaft
Vor gut 1.000 Jahren verursachten amerikanische Ureinwohner möglicherweise einen dramatischen Rückgang von Süßwassermuscheln. Entsprechende Hinweise haben drei US-Forscher gefunden. Demnach verschwanden Flussmuscheln zu eben jener Zeit besonders rasch, als im Südosten der heutigen Vereinigten Staaten der großflächige Anbau von Mais begann.
"Es ist bekannt, dass Süßwassermuscheln sehr empfindlich auf Gewässerveränderungen reagieren", so Melvin Warren vom Forest Service des US-Landwirtschaftsministeriums in Oxford, Mississippi. "Zwar können wir nicht ausschließen, dass langfristige Klimaveränderungen ebenfalls eine Rolle spielen. Der dramatische Wandel der Landnutzung in dieser Periode liefert jedoch eine überzeugende Erklärung für die von uns entdeckten Veränderungen der Muschelpopulationen."
Warren und seine Kollegen studierten 27 prähistorische Stätten an zwölf Flüssen im Südosten der USA. Dabei interessierten sie sich besonders für die von den einstigen Bewohnern hinterlassenen Abfallhaufen und die darin enthaltenen Muschelschalen. Die besonders empfindliche Flussmuschel-Gattung Epioblasma erfährt demnach schon seit 5.000 Jahren einen Rückgang - gemessen an der Häufigkeit ihrer Schalen im Vergleich zu denen anderer Gattungen. Dieser Prozess beschleunigte sich merklich vor 1.000 bis 500 Jahren, als großflächige Rodungen für den Maisanbau begannen.
Warren und seine Kollegen nehmen an, dass der Rückgang auf Umweltveränderungen zu jener Zeit zurückgeht. Keine der in dem prähistorischen Abfall gefundenen Epioblasma-Arten sei heute noch in den untersuchten Flüssen anzutreffen. Und auch andernorts seien derzeit viele Vertreter der Gattung vom Aussterben bedroht, meist bedingt durch Veränderungen der Wasserqualität infolge intensiver Landnutzung. "Unsere Resultate sprechen für die Annahme, dass [...] die Aktivitäten prähistorischer Menschen einen ähnlichen, wenn auch weniger intensiven Einfluss auf aquatische Ökosysteme hatten", schließt Warrens Kollege Wendell Haag.
Forschung: Evan Peacock, Cobb Institute of Archaeology, Mississippi State University; Wendell R. Haag und Melvin L. Warren Jr., Center for Bottomland Hardwoods Research, USDA Forest Service, Oxford, Mississippi
Veröffentlicht in Conservation Biology, Vol. 19(2), pp 547-51
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