14.6.2005, 11:09 Uhr
Erdähnlichster Exoplanet gefunden
Den bislang erdähnlichsten Planeten bei einem anderen Stern haben amerikanische Astronomen entdeckt. Der Exoplanet besitzt schätzungsweise die siebeneinhalbfache Masse der Erde. Allerdings umkreist er sein Zentralgestirn in derart geringem Abstand, dass auf seiner Oberfläche Backofentemperaturen herrschen dürften.
"Dies ist der kleinste extrasolare Planet, den wir bislang gefunden haben, und der erste Vertreter einer neuen Klasse von felsigen, erdähnlichen Planeten", erklärt Pul Butler von der Carnegie Institution of Washington, einer der Forscher. "Er ist so etwas wie der große Vetter der Erde." Da man nun in der Lage sei, derart kleine Welten nachzuweisen, dürften bald schon ferne Erden mit weniger lebensfeindlichen Bedingungen folgen.
Künsterlische Darstellung des neuen Exoplaneten. Grafik: Trent Schindler, National Science Foundation
Butler und seine Kollegen fanden den neuen Exoplanet bei Gliese 876, lediglich 15 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild des Wassermanns gelegen. Ihre Beobachtungen mit einem der Keck-Zwillingsteleskope auf Hawaii ergaben, dass der Neuling den kleinen Stern alle 1,94 Tage im Abstand von etwa 3 Millionen Kilometern umkreist. Zum Vergleich: Die Erde umkreist die Sonne im Abstand von 150 Millionen Kilometern. Als Folge dürften auf dem Exoplaneten Temperaturen über 200 Grad Celsius herrschen.
Die Masse des neuen Exoplaneten reiche zwar nicht aus, um wie Jupiter größere Gasmassen zusammenzuhalten, so Butler, eine dichte Atmosphäre sei jedoch sehr wohl denkbar. Der Astronom und seine Kollegen spekulieren daher, dass es sich bei dem Planeten um eine felsige Welt mit einer atmosphärischen Hexenküche ähnlich der Venus handelt. Direkte Belege für diese Annahme stehen jedoch noch aus.
Bereits vor einigen Jahren waren bei Gliese 876 zwei Exoplaneten entdeckt worden, die - wie die meisten bekannten Planeten bei anderen Sternen - eher vom Format des Jupiters sind. Die beiden Riesen benötigen für einen Umlauf 30 bzw. 60 Tage. Minimale Abweichungen ihrer tatsächlichen von der vorhergesagten Bewegung brachten die Forscher schließlich auf die Spur des kleinen Dritten im Bunde. Aus ihren Beobachtungsdaten konnten sie zudem schließen, dass das Planetensystem von Gliese 876 um 40 Grad gegen die Sichtlinie zur Erde gekippt ist.
Forschung: R. Paul Butler, Department of Terrestrial Magnetism, Carnegie Institution of Washington; Geoffrey W. Marcy, Department of Physics and Astronomy, University of California, Berkeley; Steven S. Vogt, Lick Observatory und Department of Astronomy & Astrophysics, University of California, Santa Cruz; und andere
Zur Veröffentlichung eingereicht bei Astrophysical Journal
WWW:
California & Carnegie Planet Search
Extrasolar Planets Encyclopedia
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