9.6.2005, 11:33 Uhr
Möglicher Eisvulkan auf Titan

Entgegen früheren Vermutungen scheint es auf dem Saturnmond Titan keine Kohlenwasserstoff-Meere zu geben. Entsprechende Beobachtungsresultate präsentiert eine internationale Forschergruppe im Magazin "Nature". Dafür zeigen die Aufnahmen der Sonde Cassini ein nicht minder spannendes Phänomen - eine gut 30 Kilometer weite Kuppe, bei der es sich möglicherweise um einen Eisvulkan handelt.

Die Forscher um Christophe Sotin von der Université de Nantes und Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin, fanden die Struktur nahe des Titanäquators am Rand eines dunklen Gebiets namens Xanadu. Aufgenommen aus 1.200 Kilometern Entfernung mit dem Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS), erhebt sich die spiralförmige Struktur mehrere Hundert Meter über die Umgebung. In ihrer Mitte ist eine Vertiefung erkennbar.

Falschfarbenbild der Struktur und Skizze ihrer geologischen Interpretation

Aus Infrarotaufnahmen erstelltes Falschfarbenbild der Struktur (links) und ihre geologische Interpretation durch die Forscher. Bilder: Nature/Cassini VIMS Team

Nach Ansicht der Forscher bestätigt die Beobachtung die seit langem gehegte Vermutung, auf den Eismonden der äußeren Planeten könne es Eis- bzw. Kryovulkanismus geben. Dabei soll aus dem Mond-Inneren ein regelrechter "Schneematsch" aus Eis, Ammoniak oder Kohlenwasserstoffen austreten und an der Oberfläche rasch gefrieren.

"Nur ein vulkanischer Dom mit einer zentralen Caldera, einem Förderschlot, wie wir es bei irdischen Vulkanen häufig sehen, kann diese Landschaftsform plausibel erklären", erklärt Jaumann. Möglicherweise entweiche durch diesen Berg Methan und trage so zu der einzigartigen, dichten Atmosphäre Titans bei, bevor es bei minus 180 Grad Celsius wieder gefriere und als Eisregen auf dem Saturnmond niedergehe. Zusammen mit den Daten der Sonde Huygens, die am 14. Januar 2005 auf Titan gelandet war, sprächen die Beobachtungen Cassinis dafür, "dass dieser Mond eine vielfältigere Geologie hat, als bislang angenommen."


Forschung: Christophe Sotin, Laboratoire de Planétologie et Géodynamique, IMR CNRS 6112, Université de Nantes; Ralf Jaumann, Institut für Planetenforschung, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Berlin; und andere

Veröffentlicht in Nature, Vol. 435, 9. Juni 2005, pp 786-9, DOI 10.1038/nature03596

WWW:
Cassini-Huygens
Visual and Infrared Mapping Spectrometer
DLR-Institut für Planetenforschung
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