7.6.2005, 16:56 Uhr
Fruchtlose Supernova

Als 1987 eine Supernova am Nachthimmel aufleuchtete, bot sich Astronomen erstmals die Möglichkeit, solche Sternexplosionen im Detail zu verfolgen. Doch auch nach 18 Jahren intensiver Beobachtung gibt das Objekt immer noch Rätsel auf. Selbst das Weltraumteleskop Hubble kann in der dichten Explosionswolke keine Sternenleiche aufspüren, fanden jetzt eine US-Astronomin und ihre Kollegen.

Hat ein massereicher Stern seinen Brennstoff verbraucht, sackt sein Inneres schlagartig in sich zusammen. Die resultierende Schockwelle sprengt die äußeren Bereiche des Sterns ins All. Im Falle der Supernova 1987A habe ein Stern mit etwa 20 Sonnemassen sein Leben ausgehaucht, erläutert Genevieve Graves von der University of California in Santa Cruz. "Wir gehen davon aus, dass dabei ein Neutronenstern entstand. Die Frage ist: Warum sehen wir ihn nicht?"

Hubble-Aufnahme der Überreste von SN 1987A

Nur glühender Staub: Hubble-Aufnahme der Überreste von SN 1987A. Bild: P. Challis & R. Kirshner (Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics)

Je nach seiner Masse kollabiert das Innere des Sterns zu einem Neutronenstern oder einem Schwarzen Loch. Beide können sich bemerkbar machen, indem sie Materie aus der Umgebung anziehen und aufheizen. Neutronensterne mit einem intensiven Magnetfeld können zudem als Pulsare enge Bündel intensiver Strahlung aussenden. Keiner dieser Prozesse scheint in den Überresten von SN 1987A abzulaufen, berichten die Forscherin und ihre Kollegen demnächst im "Astrophysical Journal".

Dieser Befund erlaube gleichwohl Rückschlüsse über das Supernova-Produkt, erläutert Graves' Kollege Peter Challis vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, Massachusetts. "Im Inneren von SN 1987A könnte ein Neutronenstern sitzen, der keine Materie ansammelt und nicht genügend Licht aussendet." Wenn überhaupt, ströme nur wenig Material auf das Zentralobjekt zu und sammle sich in einer schmalen Akkretionsscheibe an. Zudem sei das Resultat im Einklang mit Theorien, denen zufolge ein Neutronenstern mindestens 100 Jahre brauche, um sich zu einem Pulsar zu entwickeln.

Nähere Einsichten erhoffen sich die Forscher von der Beobachtung der Staubwolken, die das Zentrum der Explosion umgeben. Dieser Staub absorbiert zumindest einen Teil der sichtbaren und ultravioletten Strahlung, die von dem Zentralobjekt ausgeht, und gibt sie als Infrarotlicht wieder ab.


Forschung: Genevieve J.M. Graves, Lick Observatory und Department of Astronomy & Astrophysics, University of California, Santa Cruz; Peter M. Challis und Robert P. Kirshner, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, Cambridge, Massachusetts; und andere

Zur Veröffentlichung akzeptiert von Astrophysical Journal; Preprint astro-ph/0505066

WWW:
Astronomy & Astrophysics, UC Santa Cruz
All About SN 1987A
Röntgenblitze lassen auf Supernovae hoffen
Supernova lässt Staubring erglühen

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: