5.4.2005, 12:21 Uhr
Rapide Veränderungen des Meeresspiegels möglich

Als Folge der weltweiten Klimaveränderung könnten sich die Meeresspiegel sehr viel rascher und stärker ändern als bislang angenommen. Entsprechende Resultate von Modellrechnungen präsentiert eine deutsch-spanische Forschergruppe im Fachblatt "Climate Dynamics". Indem im Nordatlantik weniger kaltes Wasser in die Tiefe sinkt, könnte der Meeresspiegel in den angrenzenden Küstenregionen um bis zu einen Meter steigen - mit Raten von bis zu 25 Millimeter pro Jahr.

Satellitenmessungen zeigen derzeit einen Anstieg des Meeresspiegels um etwa drei Millimeter pro Jahr. Ursachen sind die Ausdehnung des Meerwassers mit den steigenden Temperaturen und das Hinzukommen zusätzlichen Wassers durch das Abschmelzen der polaren Eiskappen. Bereits dieser Anstieg könnte tief liegende Küstenregionen wie Bangladesch und zahlreiche Inseln auf lange Sicht unbewohnbar machen.

Regional könnten die Veränderungen jedoch sehr viel stärker ausfallen, haben die Forscher um Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung herausgefunden. Mit Hilfe eines Klimamodells untersuchte die Gruppe die möglichen Folgen eines verringerten Salzgehaltes im Nordatlantik. In dieser Region sinkt stark salzhaltiges, kaltes Wasser in die Tiefe und bewirkt eine merkliche "Mulde" in der Meeresoberfläche. Diese Prozess könnte jedoch verlangsamt werden, indem die Klimaveränderung zu stärkeren Niederschlägen in höheren Breiten und damit zu einer stärkeren Süßwasserzufuhr führt.

Levermann und Kollegen fanden, dass ein vollständiger Zusammenbruch der thermohalinen Zirkulation den Meeresspiegel an einigen nordatlantischen Küsten sehr rasch um bis zu einen Meter ansteigen, im Südatlantik dagegen sinken lassen würde. Nach Ansicht der Forscher könnte das per Satellit gemessene Heben und Senken der Meeresoberfläche Auskunft über die Stärke der ozeanischen Zirkulation geben.


Forschung: Anders Levermann, Alexa Griesel, Matthias Hofmann und Stefan Rahmstorf, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung; Marisa Montoya, Facultad de Ciencias Fisicas, Universidad Complutense de Madrid

Veröffentlicht in Climate Dynamics, Vol. 24(4), pp 347-54

WWW:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
- Homepage Anders Levermann
Das große marine Förderband
Klimawandel lässt Flüsse anschwellen

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