5.4.2005, 13:10 Uhr
Bodenlos: Das Auge löffelt mit

Das Auge isst mit, belegt ein ungewöhnliches Experiment amerikanischer Wissenschaftler. Ihre Probanden vertilgten sehr viel mehr Suppe, wenn ihre Suppentassen über einen verborgenen Schlauch unmerklich nachgefüllt wurden. Allerdings fühlten sie sich nicht satter als solche Personen, die aus normalen Suppentassen gelöffelt hatten.

"Offenbar nutzen Menschen zum Kalorienzählen die Augen und nicht den Magen", schließen Brian Wansink von der Cornell University in Ithaca, New York, und seine Kollegen. Dieses Resultat sei von großer Bedeutung für die Bekämpfung des immer stärker um sich greifenden Übergewichts, schreiben die Forscher im Fachblatt "Obesity Research".

Wansink und Kollegen luden 54 Erwachsene zu einem kostenlosen Mahl im Dienste der Wissenschaft. Serviert wurde dieses auf typischen Restauranttischen und in scheinbar völlig normalen Suppentassen. Tatsächlich war jedoch die Hälfte der Tassen mit Schläuchen präpariert, über die sie langsam und für die Teilnehmer nicht wahrnehmbar nachgefüllt wurden. Binnen 20 Minuten vertilgten derart Getäuschte im Schnitt 415 Milliliter Suppe, während die Kontrollpersonen nach 241 Millilitern den Löffel beiseite legten.

Auf das Sättigungsgefühl der Teilnehmer wirkte sich der Unterschied von durchschnittlich 113 Kilokalorien allerdings nicht aus, ergab eine nachfolgende Befragung. Wansink und seine Kollegen sehen darin einen Beleg für die Bedeutung visueller Hinweise bei der Nahrungsaufnahme. Ihrer Ansicht nach sollten Lebensmittel besser in kleinen Portionen serviert bzw. verkauft werden.


Forschung: Brian Wansink, Department of Applied Economics and Marketing, Cornell University, Ithaca, New York; und andere

Veröffentlicht in Obesity Research, Vol. 13, pp 93-100

WWW:
Applied Economics and Marketing, Cornell University
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