29.3.2005, 14:32 Uhr
Robuster Cache im Bienenhirn
Obschon winzig klein, ist das Hirn der Honigbiene zu erstaunlichen Leistungen fähig. Entsprechende Resultate präsentieren australische und deutsche Biologen in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Bienen verfügen demnach nicht nur über ein robustes Arbeitsgedächtnis, sie können Gelerntes sogar verallgemeinern.
Für ihre Experimente nutzten Fiola Bock und Jürgen Tautz von der Universität Würzburg und ihre Kollegen die "Allwetter-Bienenflug-Anlage" der Australian National University in Canberra. In dem zweckentfremdeten Treibhaus flogen die Versuchstiere durch einen mehrere Meter langen Tunnel. Darin trafen sie zunächst auf eine Querwand mit blau-weißen Querstreifen und einem Durchflugloch. Es folgten eine weitere Wand mit Längsstreifen und schließlich eine "Entscheidungskammer" mit drei, wiederum von Mustern umrahmten Öffnungen. Lediglich hinter dem Muster, das die Tiere im Tunnel zuerst gesehen hatten, wartete ein Schälchen Zuckerwasser.
Foto: Fiola Bock, Beegroup Würzburg
Nachdem die Bienen erlernt hatten, welches Muster eine süße Belohnung verhieß, ersetzten die Forscher die vertrauten Muster durch neue. Nun zeigte sich, dass die Insekten die vorherige Lektion verallgemeinern konnten: Immer noch suchten sie ihre Belohnung meist hinter jenem Muster, das im Tunnel zuerst aufgetaucht war, und ignorierten das zweite Muster. Diese Reihenfolge ließ sich auch umkehren. "Wenn das keine Bienen-Intelligenz ist!", schwärmt Tautz.
Indem sie Länge der Tunnelabschnitte und damit die Flugdauer variierten, testeten der Bienenforscher und seine Kollegen die Dauerhaftigkeit des Zwischenspeichers im Bienenhirn. Die Haltbarkeit der Erinnerungen sinkt demnach exponentiell mit der Zeit: Fünf Sekunden nach Passieren einer Querwand entschieden sich die Tiere noch deutlich häufiger für die richtige Öffnung in der Entscheidungskammer. Nach rund 8,7 Sekunden war ihre Trefferquote jedoch auf die einer reinen Zufallswahl gesunken. "Diese Resultate weisen auf ein bemerkenswert robustes und dennoch plastisches Arbeitsgedächtnis bei der Honigbiene hin", schließen die Forscher.
Forschung: Shaowu Zhang, Aung Si und Mandyam V. Srinivasan, Centre for Visual Sciences, Research School of Biological Sciences, Australian National University, Canberra; Fiola Bock und Jürgen Tautz, Beegroup, Biozentrum der Universität Würzburg
Online-Veröffentlichung PNAS, DOI 10.1073/pnas.0501440102
WWW:
Beegroup, Uni Würzburg
Insect Vision, Navigation and "Cognition" Laboratory, ANU
Biologie der Honigbiene
Bienen: Zwei im Sinn
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