7.4.2005, 20:04 Uhr
Rifflärm leitet Fischlarven

Auch ohne menschliche Aktivitäten sind die Meere keine stille Welt. Larven von riffbewohnenden Fischen nutzen diese Geräuschkulisse zur Orientierung, berichtet eine internationale Forschergruppe im Magazin "Science". Das Klicken, Knarren und Brummen von Krebsen und Fischen weist den Jungtieren offenbar den Weg zu ihrer neuen Heimstatt.

"Die Larven praktisch aller Korallenfische durchlaufen eine Wochen bis Monate währende Entwicklungsphase im offenen Wasser, bevor sie sich als Jungfische wieder am Riff ansiedeln", schreiben Stephen Simpson von der University of Edinburgh und seine Kollegen. Frühere Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Larven nicht auf Gedeih und Verderb den Strömungen ausgeliefert seien, sondern aktiv schwimmend an ihren "Geburtsort" zurückfänden. "Wie sie diese Fähigkeit für ihre Ausbreitung nutzen, ist jedoch unklar."

Foto eines der durch Lärm angelockten Fische (ein leuchtend gelber Vertreter der Pomacentridae)

Auch dieser Pomacentrus amboinensis ließ sich durch Riffgeräusche leiten. Foto: Copyright Science

Die Forscher gingen früheren Hinweisen nach, denen zufolge die Geräuschkulisse im Riff eine wichtige Rolle für die Larven spielt. Dazu errichteten sie aus toten Korallen mehrere Miniaturriffe vor dem australischen Great Barrier Reef. Einige davon bestückten sie mit Unterwasserlautsprechern, über die sie Aufnahmen typischer Riffgeräusche abspielten. Tatsächlich fanden sich auf den "lauten" Kunstriffen sehr viel mehr Neulinge als auf den "stillen" - insbesondere junge Kardinalbarsche (Apogonidae) und Riffbarsche (Pomacentridae) wurden angelockt. Dabei reagierten letztere besonders stark auf höherfrequente Geräusche.

"Augrund der Bedeutung von Schall in dieser kritischen Lebensphase erscheinen schädliche Effekte durch anthropogene Lärm-Verschmutzung, beispielsweise Schiffsverkehr oder Bohrungen, denkbar", schreiben Simpson und Kollegen. "Sie könnte jedoch auch zur Entwicklung neuer Werkzeuge zur Stärkung der Bestände in Fanggebieten und in neu eingerichteten Schutzzonen führen."


Forschung: Stephen D. Simpson, School of Biological Sciences, University of Edinburgh; Mark Meekan, Australian Institute of Marine Science, Darwin; und andere

Veröffentlicht in Science, Vol. 308, 8. April 2005, p 221

WWW:
riffe.de
Fish & Trips
Apogonidae, Pomacentridae
Hormone machen den Ruf der Liebe hörbar

[Zurück]


Dies ist eine Archiv-Datei. Wir bitten um Verständnis, dass Links und Inhalte nicht mehr aktualisiert werden. Zum Aufruf des aktuellen Sciencetickers klicken Sie bitte auf eine Rubrik aus der linken Spalte.


Werbung: