27.5.2005, 16:03 Uhr
Evolutionäres Wettrüsten zwischen Käfern
Sex und Fortpflanzung bergen mitunter ungeahnte Konflikte. Bei einigen Käfern geht das so weit, dass sich die Geschlechter mittlerweile in einer Rüstungsspirale befinden, hat ein schwedischer Biologe entdeckt. Männliche Schwimmkäfer entwickeln immer ausgefeiltere Werkzeuge, um sich an einer potenziellen Partnerin festzuklammern. Die Weibchen kontern dies mit der Entwicklung nicht minder raffinierter Panzerstrukturen.
"Es ist sehr wohl bekannt, dass Weibchen und Männchen vieler Insektenarten gegensätzliche Interessen haben, was die Paarung angeht", erläutert Johannes Bergsten von der Universität Umeå. "Umstritten ist allerdings, ob dieser Konflikt tatsächlich zu einem evolutionären Wettrüsten zwischen den Geschlechtern führt." Seine Untersuchungen belegten, dass dies zumindest bei den Schwimmkäfern (Dytiscidae) der Fall ist. Ein in Deutschland bekannter Vertreter dieser Käferfamilie ist der Gelbrandkäfer, der selbst kleine Fischen überwältigt.
Bei Schwimmkäfern tragen die Männchen an den Fußgliedern ihrer Vorderbeine regelrechte Saugnäpfe, mit denen sie sich an Halsschild und Flügeldecke eines Weibchens heften. An eben diesen Stellen weist der ansonsten glatte Panzer der Weibchen wiederum Furchen, Warzen oder Borsten auf - offenbar, um den Einsatz der Saugnäpfe zu sabotieren. Bei der Untersuchung mehrerer Schwimmkäfer-Populationen fand Bergsten nun, dass die Weibchen umso häufiger über diese Gegenmaßnahmen verfügen, je größer die Saugnäpfe der Männchen sind.
Männchen und Weibchen des Furchenschwimmers Acilius sulcatus. Bild: Copyright Universität Umeå
Um mehr über die Evolution dieses Phänomens zu erfahren, studierte Bergsten Tausende Museumsexemplare und lebende Vertreter der Schwimmkäfergattung Acilius, der Furchenschwimmer. Anhand der Sequenzen dreier Gene stellte der Forscher einen neuen Stammbaum dieser Gattung auf. Dieser zeigte, dass mit Veränderungen der männlichen Haft- und Klammerstrukturen immer auch Veränderungen der weiblichen Gegenmaßnahmen einhergehen - ganz so, wie man es bei einem evolutionären Wettrüsten erwarten sollte.
Forschung: Johannes Bergsten, Institutionen för ekologi, miljö och geovetenskap, Umeå universitet
WWW:
Ökologie, Umwelt- und Geowissenschaften, Umeå
Schwimmkäfer
The Mating Game
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