27.5.2005, 11:55 Uhr
Heller Fleck auf Titan gibt Rätsel auf
Die Saturnsonde Cassini hat einen hellen Fleck auf dem Mond Titan entdeckt. Was sich hinter dem 480 Kilometer großen und scheinbar ortsstabilen Merkmal verbirgt, ist jedoch rätselhaft. Möglicherweise handelt es sich um helle Wolken an einer Gebirgsflanke, vielleicht aber auch um den Ausbruch eines Eisvulkans oder die Narbe eines Asteroideneinschlags.
Bei ihren Titan-Vorbeiflügen am Ende März und Mitte April hatte Cassini den Fleck mit ihrem Visual and Infrared Mapping Spectrometer (VIMS) bei Infrarot-Wellenlängen um 5 Mikrometer registriert. "Auf den ersten Blick wirkte dieses Merkmal seltsam und fehl am Platz", erinnert sich Robert Brown von der University of Arizona. Der Fleck sei heller als alles, was man bislang auf Titan entdeckt habe, und auch sehr viel langlebiger als in der Atmosphäre beobachtete Phänomene.
Infrarot-Aufnahme Titans. Bild: NASA/JPL/University of Arizona
Schon bei früheren Vorbeiflügen im Dezember und Februar hatten die Sondenkameras eine helle, gut 550 Kilometer weite und halbkreisförmige Region in der Nähe des Flecks abgelichtet. Laut Browns Kollegin Elizabeth Turtle dürfte ein Zusammenhang zwischen den beiden Phänomenen bestehen. "Vielleicht sieht das VIMS eine Wolke, die von einer Oberflächenstruktur topographisch kontrolliert wird. Und vielleicht geht die Wolke auf das helle halbkreisförmige Merkmal zurück." Denkbar sei, dass dort Luft an Erhebungen gestaut werde oder aber Gase dem Inneren des Mondes entströmten.
Aldred McEwen, ebenfalls von der University of Arizona, zählt weitere Möglichkeiten auf. So könne der helle Fleck auf einen Einschlag, einen Hangrutsch, ungewöhnliches Oberflächenmaterial oder auf Kryovulkanismus zurückgehen, das Austreten eines warmen Wassereis-Ammoniak-Gemischs aus dem Untergrund. Sollte es sich tatsächlich um Berge handeln, müssten diese deutlich höher sein als die von Cassini vermessenen, etwa 100 Meter hohen Hügel. Allerdings habe man bislang angenommen, dass die Kruste des Mondes derart hohe Berge nicht tragen könne.
Neue Erkenntnisse erhoffen sich die Forscher von dem nächsten Vorbeiflug am 2. Juli. Das auffällige Gebiet wird bei der Passage Cassinis auf der Nachtseite Titans liegen. Falls der helle Fleck tatsächlich wärmer als seine Umgebung ist, sollte er zumindest schwach glühen.
Forschung: Robert H. Brown, Alfred S. McEwen und Elizabeth Turtle, Lunar and Planetary Laboratory, University of Arizona, Tucson; und andere
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Visual and Infrared Mapping Spectrometer
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