12.5.2005, 13:07 Uhr
Getreide gegen Ölteppiche

Roggengranulat könnte schwimmende Ölteppiche zu einem Festmahl für Mikroorganismen machen. An einem entsprechenden Verfahren forscht eine Firma im sächsischen Cobbelsdorf. Das Getreidegranulat fungiert dabei als Ölbinder und als "Appetitanreger" zur Aktivierung des mikrobiologischen Ölabbaus. Gefördert wird das Projekt durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe.

Bei Tankerhavarien gelangen jedes Jahr schätzungsweise 100.000 Tonnen Erdöl in die Weltmeere. Doch während es für Ölunfälle an Land effektive Sanierungsmethoden gibt, erfolgt die Bekämpfung auf dem Wasser meist passiv: Schwimmende Barrieren stoppen lediglich die Ausbreitung der Ölteppiche, tragen jedoch nicht zu ihrer Beseitigung bei. Mechanische Ölbinder wiederum sind nach der Ausbringung nur schwer zu bergen.

Ideale Eigenschaften weist dagegen Roggengranulat auf, sind die Forscher der Cobbelsdorfer Naturstoff GmbH überzeugt. Das Extrudat könne aufgrund seiner physikalischen Struktur große Mengen von Öl binden. Gleichzeitig stelle es eine hervorragende Grundlage für Mikroorganismen dar und aktiviere deren Stoffwechsel. Und da es letztlich selbst von den Mikroben abgebaut werde, könne es im Wasser verbleiben. Entsprechende Produkte könnten schon in wenigen Jahren auf den Markt kommen

Forschungsbedarf besteht derzeit noch in Sachen Wasserfestigkeit. Damit das Getreideprodukt nach der Ausbringung nicht vorzeitig aufweicht, soll es mit einem Hydrophobierungsmittel zumindest vorübergehend Wasser abstoßend und damit schwimmfähig gemacht werden. Erst nachdem Öl abbauende Mikroorganismen ihre Arbeit verrichtet haben, soll das Granulat zerfallen und als Nahrung für andere Mikroben zur Verfügung stehen.


Forschung: Cobbelsdorfer Naturstoff Gmbh, Cobbelsdorf; und andere

WWW:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe
Verlauf einer Ölpest
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
- Ölkatastrophen durch die Schifffahrt und die marine Umwelt
Ölskimmer

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