4.5.2005, 11:47 Uhr
Mütter "vererben" Stressanfälligkeit

Erfährt eine Schwangere extremen Stress, scheint sich dies langfristig auch auf ihr Kind auszuwirken. Neue Hinweise auf diesen generationenübergreifenden Effekt haben amerikanische und britische Forscher bei Frauen entdeckt, die den Einsturz des World Trade Center aus nächster Nähe erlebt hatten.

Die Befunde bekräftigten die Ansicht, dass die Bedingungen im Mutterleib sich auf die spätere Entwicklung des Kindes und auch seine Krankheitsanfälligkeit auswirkten, schreiben Rachel Yehuda von der Mount Sinai School of Medicine, New York, und ihre Kollegen im "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism".

Die Medizinerin und ihre Kollegen untersuchten 38 Frauen, die als Schwangere die Anschläge vom 11. September 2001 erlebt hatten. Der Speichel der Frauen enthielt deutlich weniger Cortisol, wenn sie in der Folge eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hatten. Erstaunlicherweise fanden sich auch bei den etwa einjährigen Kindern dieser Frauen niedrigere Spiegel des Stresshormons. Besonders ausgeprägt war die Verbindung, wenn die Mütter zum Zeitpunkt der Anschläge im ersten Schwangerschaftsdrittel gewesen waren.

Auch bei erwachsenen Kindern von Überlebenden des Holocaust habe man niedrige Cortisol-Spiegel gemessen, erläutert Yehuda, dies jedoch überwiegend auf längere Zeit wirkende Umweltfaktoren zurückgeführt - etwa das Aufwachsen mit einem traumatisierten Elternteil und den Beschreibungen des erfahrenen Leids. "Nun haben wir verringerte Stresshormon-Spiegel bei Säuglingen beobachtet," so die Forscherin. Offenbar spielten sehr früh in der Entwicklung wirkende und genetische Faktoren ebenfalls ein wichtige Rolle.


Forschung: Rachel Yehuda, Traumatic Stress Studies Program, Department of Psychiatry, Mount Sinai School of Medicine, Bronx, New York; Jonathan Seckl, Molecular Medicine Centre, Western General Hospital, University of Edinburgh; und andere

Online-Veröffentlichung Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, DOI 10.1210/jc.2005-0550

WWW:
Mount Sinai School of Medicine
Posttraumatische Belastungsstörung

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