4.5.2005, 19:11 Uhr
Wie Pflanzen Süßes gegen Sex tauschen
Auf raffinierte Weise spannt eine Pflanze der Kapregion Vögel für ihr Liebesleben ein. Das berichten südafrikanische und kanadische Forscher im Magazin "Nature". Der kahle Stängel der Pflanzen stellt eine willkommene Sitzstange für Nektarvögel dar. Gleichzeitig manövriert er sie in eine Position, in der sie beim Trinken des Blütennektars zwangsläufig mit den Geschlechtsorganen der Blüten in Berührung kommen.
Spencer Barrett von der University of Toronto untersuchten Babiana ringens, ein ausschließlich in Südafrika auf sandigen Böden wachsendes Schwertliliengewächs. Blätter und Blüten der Pflanze setzen unmittelbar über dem Boden an. Des ungeachtet streckt das Gewächs einen behaarten, ansonsten aber kahlen Stängel gen Himmel, der ihm den Namen "Rattenschwanz" eingehandelt hat.
Die Beobachtungen der Forscher ergaben, dass die Pflanze ausschließlich von Malachit-Nektarvögeln (Nectarinia famosa) bestäubt wird. Die Vögel lassen sich auf dem Stängel nieder und kippen dann vornüber, um ihre gebogenen Schnäbel in die nach oben weisenden Blütenkelche einzuführen. Dabei reibt sich ihr Brustgefieder an Stempeln und Staubblättern der Blüten - und kann so Pollen einer anderen Pflanze übertragen bzw. neuen Pollen aufnehmen.
Versuchsweise entfernten Barrett und Kollegen bei einigen Pflanzen den Stängel. Ohne die "Warte" gediehen sie zwar nicht schlechter, wurden jedoch insbesondere von männlichen Nektarvögeln mit ihren langen Schwanzfedern und ihrer auffälligen Färbung gemieden. Genetische Untersuchungen der von diesen Pflanzen produzierten Samen zeigten, dass der Stängel eine Fremdbestäubung um ein Vielfaches wahrscheinlicher macht bzw. überhaupt erst ermöglicht.
Foto: Copyright Cameron Ewart-Smith
Forschung: Bruce Anderson, School of Botany and Zoology, University of KwaZulu-Natal, Pietermaritzburg; William W. Cole und Spencer C.H. Barrett, Department of Botany, University of Toronto, Ontario
Veröffentlicht in Nature, Vol. 435, 5. Mai 2005, pp 41-2
WWW:
Babiana
Nektarvögel
Barrett Lab
University of KwaZulu-Natal
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