6.5.2005, 12:22 Uhr
FishTV: Plankton schwimmt gegen den Strom

Plankton verdankt seinen Namen der Tatsache, dass es scheinbar hilflos im Wasser treibt. Tatsächlich schwimmen die Winzlinge sehr wohl und teils mit beachtlichen Geschwindigkeiten gegen vertikale Strömungen an, berichtet eine internationale Forschergruppe im Magazin "Science". Erst auf diese Weise entstehen regelrechte Planktonteppiche unter Wasser - die Grundlage für marine Nahrungsketten und damit auch für Fischereiflotten.

"Ansammlungen von Zooplankton gibt es in allen Größenordnungen, von Millimetern bis hin zu Hunderte Quadratkilometer großen Gebieten", so Amatzia Genin von der Hebräischen Universität Jerusalem. Die neuen Befunde zeigten, wie es zu solchen Ansammlungen komme könne. Sinke zunächst horizontal strömendes Wasser ab oder steige auf, bleibe das darin transportierte Zooplankton förmlich wie in einem Filter hängen, indem es eine bestimmte Tiefe zu halten suche.

Foto: Krebslarve im Zooplankton

Krebslarve im Plankton. Foto: Courtesy of Mark Wunsch

Genin und seine Kollegen führten ihre Beobachtungen im Golf von Aqabah im Roten Meer durch. Mit Hilfe eines speziellen Sonargeräts namens "FishTV" konnten sie mit einer zeitlichen Auflösung von 3 "Bildern" pro Sekunde die Bewegung von über 375.000 Planktonpartikeln verfolgen - ausgewachsenen Krebsen, Fischen, Weichtieren, Pfeilwürmern und Manteltieren bzw. deren Larven. Die gleichzeitige Messung der Strömungsgeschwindigkeit zeigte, dass sich die Tiere in der horizontalen Ebene im Wasser treiben ließen. In der Vertikalen konterten sie die Strömung jedoch mit einer ebenso raschen Gegenbewegung. Selbst höchstens einen halben Zentimeter groß, erreichten sie dabei Schwimmgeschwindigkeiten von mehreren Zentimetern pro Sekunde.

Hungrige Räuber tun gut daran, dieses Verhalten zu berücksichtigen, belegten weitere Messungen. In Küstenabschnitten mit starken auf- bzw. abwärts gerichteten Strömungen fanden die Forscher bis zu fünfmal größere Planktondichten als in solchen mit nur schwachen vertikalen Wasserbewegungen. Auf welche Weise die Winzlinge ihre Tiefe messen und warum sie eine bestimmte Tiefe halten wollen, ist noch unklar, beteuert Genin. "Dass sich dieses energetisch aufwändige Verhalten bei derart vielen und unterschiedlichen Arten entwickelt hat, zeigt jedoch, dass einen beträchtlichen Nutzen mit sich bringt." Möglicherweise gehe es letztlich darum, in den dichten Ansammlungen Nahrung bzw. Paarungspartner zu finden.


Foto: Der FishTV-Sonartransducer

Der FishTV-Sonartransducer. Foto: Courtesy of Amatzia Genin


Forschung: Amatzia Genin und Ruth Reef, Interuniversity Institute for Marine Sciences and the Hebrew University, Eilat; Jules S. Jaffe und Peter J.S. Franks, Scripps Institution of Oceanography, La Jolla, Kalifornien; Claudio Richter, Zentrum für marine Tropenökologie, Universität Bremen

Veröffentlicht in Science, Vol. 308, 6. Mai 2005, pp 860-2

WWW:
Homepage Amatzia Genin
Plankton
Zentrum für marine Tropenökologie, Bremen
Scripps Oceanographic Institution
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