13.5.2005, 11:30 Uhr
Mäusehirn schrumpft im Winter

Wenn die Tage kürzer werden, bereiten sich viele Tiere auf den Winter und sein geringes Nahrungsangebot vor. Zumindest bei Mäusen gehört dazu auch, energiehungriges Gehirngewebe abzubauen, berichtet ein amerikanisches Forschertrio im "Journal of Neuroscience". Die Resultate könnten möglicherweise helfen, jahreszeitliche Stimmungsschwankungen beim Menschen zu verstehen.

"Gemessen an seinem Gewicht, benötigt das Gehirn eine Menge Energie", erläutert Randy Nelson von der Ohio State University in Columbus. "Wie viele andere Säugetiere auch, müssen die Mäuse im Winter ihren Energieverbrauch drosseln. Das Gehirn ist da ein guter Ansatzpunkt." Ähnliche saisonale Veränderungen seien bereits von Vögeln bekannt gewesen, jedoch niemals zuvor bei Säugern beobachtet worden.

Nelson und seine Studentinnen Leah Pyter und Brenda Reader studierten Weißfußmäuse (Peromyscus leucopus), die sie in unterschiedlichen Laborräumen hielten. Einige Tiere lebten 13 Wochen lang unter Langtagbedingungen mit täglich 16 Stunden Licht, andere unter Kurztagbedingungen mit lediglich acht Stunden Licht. Letztere taten sich deutlich schwerer, in einem Wasserlabyrinth eine unter der Oberfläche verborgene Plattform zu finden und konnten sich bei erneuten Tests nur schlecht an deren Position erinnern. Bei diesen Tieren war der Hippocampus, eine am Lernen und Erinnern beteiligte Gehirnregion, deutlich kleiner und wies eine reduzierte Dichte von Zellausläufern auf.

Andere Gedächtnisleistungen oder die Schärfe der Sinne waren dagegen nicht mit der Tageslänge zurückgegangen, fanden die Forscherinnen. Laut Nelson passt dieser Befund zu der Tatsache, dass Weißfußmäuse in der kalten Jahreszeit kleinere Territorien besitzen. Vermutlich würden die Gehirnveränderungen durch das Hormon Melatonin ausgelöst, das auch eine zentrale Rolle im Tag-Nacht-Rhythmus des menschlichen Körpers spielt.


Forschung: Leah M. Pyter, Brenda F. Reader und Randy J. Nelson, Department of Neuroscience, Department of Psychology und Institute of Behavioral Medicine Research, Ohio State University, Columbus

Veröffentlicht in Journal of Neuroscience, Vol. 25(18), pp 4521-6, DOI 10.1523/JNEUROSCI.0795-05.2005

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Homepage Randy Nelson
Weißfußmaus
Winterdepression

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