13.5.2005, 16:06 Uhr
Farbpalette der Gutenbergbibel analysiert
Mit einer prachtvollen Bibel setzte Johannes Gutenberg der von ihm erfundenen Drucktechnik und sich selbst ein Denkmal. Welche Farben für den Druck und die reichen Verzierungen benutzt wurden, haben britische Chemiker nun erstmals berührungslos analysiert. Ihre Resultate, vorgestellt im Fachblatt "Analytical Chemistry", gestatten tiefe Einblicke in mittelalterliche Werkstätten und helfen bei der Erhaltung der verbliebenen Gutenbergbibeln.
"Wir möchten diese historischen Manuskripte auf ewig erhalten", so Robin Clark vom University College London, der Leiter der Arbeitsgruppe. Dazu müsse man allerdings wissen, welche Chemikalien man zur Restaurierung bzw. Konservierung der gut 550 Jahre alten Bibeln einsetzen dürfe und welche mehr schaden als nutzen würden. "Es ist erstaunlich, dass dieses Grundwissen [...] erst jetzt erlangt worden ist", so der Chemiker.
Clark und seine Kollegen nutzten die Ramanspektroskopie, um eine der zwei Gutenbergbibeln der British Library zu untersuchen. Dabei wird ein feiner Laserstrahl auf das Material gerichtet und das Spektrum des reflektierten Lichts erfasst. Durch Abgleich mit den Spektren bekannter Verbindungen konnten die Forscher sieben der neun benutzten Pigmente identifizieren: Zinnober bzw. Vermilion (Quecksilbersulfid), Zinn-Bleigelb (Bleistannat), Kohlenstoff, Kalk, Azurit und Malachit (zwei basische Kupfercarbonate) sowie Verdigris bzw. Grünspan (Kupferacetat). Die zwei übrigen Farben scheinen auf Blattgold und ein dunkelrotes, aus Insekten oder Pflanzen gewonnenes Pigment zurückzugehen.
Die gleichen Palette fanden die Forscher auch in sechs anderen, sehr unterschiedlich illustrierten Exemplaren der Gutenbergbibel. Zwei auf Pergament gedruckte und heute in Göttingen und Berlin aufbewahre Exemplare weisen zusätzliche Pigmente wie das kostbare Aluminiumsilikat-Mineral Lazurit auf. Vermutlich seien diese Bibeln für besonders wohlhabende Kunden angefertigt wurden, so Clark und Kollegen. Das Göttinger Exemplar enthalte mit dem Titanweiß Anatas bzw. Rutil (Titandioxid) auch zwei moderne Pigmente, die wahrscheinlich auf eine Kontamination oder frühere Restaurationsarbeiten zurückgingen.
Forschung: Tracey D. Chaplin, Robin J.H. Clark und Gregory D. Smith, Christopher Ingold Laboratories, Department of Chemistry, University College London; und andere
Veröffentlicht in Analytical Chemistry, DOI 10.1021/ac050346y
WWW:
Homepage Robin Clark
Die Gutenbergbibeln der British Library
Die Göttinger Gutenbergbibel
Gutenberg-Museum, Mainz
Lexikon der Farbstoffe und Pigmente
Ramanspektroskopie
Älteste Nordamerika-Karte keine Fälschung?
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